Wissensbasis

Infos zu Sucht und Drogen

Alkohol

alk
Zur „Kultur“-Geschichte von Alkohol:

Alkohol ist die älteste von Menschen erzeugte psychoaktive Substanz. Bereits 6400 v.Chr. wurden Bier und Wein konsumiert. In Nord- und Mitteleuropa zählte Bier bis ins 16.Jahrhundert zu den Grundnahrungsmitteln. Bis heute ist der Konsum alkoholischer Getränke fest in unserer Alltagskultur verankert.

Bier, Wein aber auch härtere Spirituosen werden als „Genussmittel“ bezeichnet, obwohl längst erwiesen ist, dass ihr Schaden weitaus grösser ist als der, der so genannten „harten“ Drogen.

Nach bisherigen Schätzungen rechnete man mit ca. 40.000 alkoholbedingten Todesfällen pro Jahr. Aktuellen Untersuchungen zufolge (mit neuen wissenschaftlichen Bestimmungsmethoden) ist jedoch von über 70 000 alkoholbedingten Todesfällen in Deutschland auszugehen, wobei 74% dieser Fälle auf den kombinierten Konsum mit Nikotin zurückgehen (vgl. DHS Jahrbuch Sucht 2002/2003).

Die Zahl behandlungsbedürftiger Alkoholkranker wird auf 2,5 Millionen geschätzt. Im weltweiten Vergleich hinsichtlich des Alkoholkonsums liegt Deutschland weiterhin in der Spitzengruppe. Die Kosten alkoholbedingter Krankheiten werden pro Jahr auf ca. 20 Milliarden Euro geschätzt. Umrahmt werden diese Zahlen von den Millionenbeträgen, die die Werbeindustrie ausgibt, um den Konsum der „Genussmittel“ anzuheizen. Die Ausgaben für die Werbung alkoholischer Getränke in Deutschland lagen im Jahr 2001 bei 575 Millionen Euro.

Alkoholische Getränke sind leicht erhältlich und selbst die Jugendschutzgesetze schützen nur bedingt. Getrunken wird zum Essen, auf Feten und Geburtstagen, unter Freunden, im Urlaub, nach der Arbeit, auf Hochzeiten oder bei Trauerfeiern, … – kurzum kaum ein Ereignis oder Gefühl, das nicht Anlass zum Trinken böte. Alltäglich ist der Konsum, dementsprechend verbreitet auch der Missbrauch!

Alcopops

Eine neue Verführung und damit auch Gefahr stellen Alcopops dar. Das sind alkoholische Getränke, die sehr süß schmecken aber dennoch 4-6% Alkohol enthalten (z.B. Wodka oder Rum). Der Alkohol wird kaum geschmeckt, trinken lassen sich die neuen „Trend-Getränke“ wie Limonade. Und gerade darin besteht ihre Missbrauchsgefahr. Konsumenten ist oftmals gar nicht bewusst, dass es sich hierbei um branntweinhaltige Getränke handelt. Und schnell sind zwei, ja drei Flaschen getrunken. Alcopops sprechen ein Kundensegment an, das eigentlich gar nicht Zielpublikum sein darf: Kinder und Jugendliche. Denn mit cooler Aufmachung, süßem Geschmack und massiver Werbung werden gerade und gezielt junge Käuferschichten angesprochen. Neuere Untersuchungen ergaben: Während 1998 noch 9% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen angaben, Alcopos mindestens einmal im Monat zu trinken, waren es 2003 bereits 42% (Quelle: Repräsentativerhebung der BZgA, Köln durch forsa, Berlin, August 2003).
In der Altersstufe zwischen 14-19 Jahren ist der Anstieg am deutlichsten.

Wie wirkt Alkohol als Rauschdroge?

Alkohol wird über die Schleimhäute ins Blut aufgenommen und kann so im gesamten Organismus wirken. Geringe Mengen Alkohol bewirken eine Stimulierung einiger Nervenzellen, unterdrücken aber gleichzeitig die Aktivität anderer. Größere Mengen Alkohol wirken dämpfend. Abgebaut wird der Alkohol zu 90-95 % von der Leber. Der männliche Körper baut pro Stunde 0,1 g Alkohol ab und der weibliche 0,085 g.

Mögliche Wirkungen:

Beim Alkoholkonsum muss man bedenken, dass die Wirkung abhängig von Menge, Umfeld und dem eigenen Wohlbefinden ist.

Geringere Mengen bewirken:

  • Erhöhte Kontaktfreudigkeit
  • Allgemeines Wohlbefinden
  • Leicht getrübte Wahrnehmung

Größere Mengen bewirken

  • Verlust von Hemmungen
  • Kontrollverlust (Sprache und Bewegungen)
  • Heitere schon fast euphorische Stimmung
  • Verlangsamung der Konzentrationsfähigkeit
  • Depressive Verstimmungen
  • Entspannung
  • Bewusstlosigkeit
  • Tiefschlaf
  • Aggressivität

Risiken:

Psychische und physische Abhängigkeit kann durch regelmäßigen Alkoholkonsum entstehen. Länger andauernder Missbrauch hat die Schädigung der inneren Organe, des Gehirns und des peripheren Nervensystems zur Folge. Neben verschlechterter Konzentrations- und Gedächtnisleistung kann es zu Persönlichkeitsveränderungen kommen. Im fortgeschrittenen Stadium entstehen mitunter auch Wahnvorstellungen.
Die Sucht entwickelt sich meist langsam und schleichend. Von anfänglichem „Erleichterungstrinken“ und „Belohnungstrinken“ zu „kritischem“ Trinken (heimlich, oft schon morgens, „Filmrisse“, Verleugnung und Schuldgefühle, starker Suchtdruck) bis hin zur „chronischen“ Phase, in der Alkohol den wichtigsten Lebensinhalt darstellt. Als schlimmste und gefährlichste Begleiterscheinungen kann es bei exzessivem Trinken oder auf Entzug zum „delirium tremens“ und zu Krampfanfällen kommen.
Völlige Desorientierung, optische und akustische Halluzinationen („weiße Mäuse“) oder das Suchen nach nicht vorhandenen Gegenständen zeichnen das „delirium tremens“ aus. Bei den Krampfanfällen handelt es sich um epileptische Anfälle, die eine massive Eigengefährdung darstellt (z.B. Abbeißen der Zunge).

Risk reduction:

Gebrauch muss nicht zwangsläufig in Missbrauch/Sucht enden!
– Alkohol kann stimmungsverstärkend wirken. Daher sollte bei schlechter Stimmung und psychischer Angespanntheit lieber auf den Konsum verzichtet werden.
– Vor dem Konsum von Alkohol sollte man etwas essen, denn sonst wirkt der Alkohol intensiver.
– Alkohol wirkt sich auf die Wahrnehmung aus und verlangsamt die Reaktionsgeschwindigkeit. Deshalb sollte man sich unter Einfluss von Alkohol auf keinen Fall ans Steuer setzen.
Konsumiere nie (bei) …
– Herzschäden
– Lebererkrankungen
– Bluthochdruck
– in der Schwangerschaft

 

Wie alle anderen Drogen auch, sollte Alkohol auf keinen Fall regelmäßig (!) zur Veränderung des persönlichen Zustands bzw. zum Ausgleich von selbst empfundenen persönlichen Defiziten eingesetzt werden (Stärkung des Selbstbewusstseins, Überwindung von Schüchternheit usw. ), da die Entwicklung von Abhängigkeit dadurch beschleunigt wird.

Quellen:
DHS: „Jahrbuch Sucht 2002“, Geesthacht 2001.
Goodyer, Paula: ,,Kids + Drugs“, Freiburg im Breisgau 1999.
Heudtlass, Jan-Henrik u. Stöver, Heino (Hrsg.): „Risiko mindern beim Drogengebrauch“, Frankfurt am Main 2000.
Hurrelmann Klaus u. Bründel Heidrun: ,,Drogengebrauch – Drogenmissbrauch“, Darmstadt 1997.
Parnefjord, Ralph: ,,Das Drogentaschenbuch“, Stuttgart 2000.
Petermann, Harald u. Roth, Marcus (Hrsg.): „Sucht und Suchtprävention“, Berlin 2002.
Rieth, Eberhard: „Alkoholkrank?“, Bern 1992.
Rudgley, Richard: ,,Lexikon der psychoaktiven Substanzen“, München 1999.
Schmidtbauer, Wolfgang u. vom Scheidt, Jürgen: „Handbuch der Rauschdrogen“, München 1997.
Schneider, Ralf: „Die Suchtfibel“, Baltmannsweiler 1997.
Thamm, Berndt Georg: ,,Stichwort Drogen“,München 1994
Ferner u.a. folgende Internetquellen:
www.dgsuchtmedizin.de, www.checkyourdrugs.at, www.dhs.de, www.thema-drogen.net
www.indro-online.de, www.drugcom.de, www.methadone.org, www.drogen-info.de

Anonym, weiblich, 26 Jahre

Die Suche nach dem Sinn!

Für mich und vielleicht für jene Betroffenen, die sich über Sucht ihre Gedanken machen, stellt sich eine zentrale Frage: WARUM?

Der Kontakt mit Drogen wird uns durch unsere Gesellschaft schon fast in die Wiege gelegt. Wir werden schon früh mit Alkohol und seiner Wirkung konfrontiert. Ich habe dies auch schon früh miterlebt. Das Erlebnis berauscht zu sein, nahm mich in seinen Bann.
Ich denke jeder verlebt im Laufe seines Lebens eine Sinn- oder Identitätskrise. Bei mir trat dies in meinem 15. Lebensjahr ein. Durch die Erfahrung mit Alkohol wußte ich, wie ich meine häßlichen und auch so schmerzhaften Gedanken und Gefühle ausschalten kann. Irgendwann reichte dies aber nicht mehr aus. So begann der Kontakt mit illegalen Drogen. Je sinnloser ich mich fühlte, umso mehr suchte ich, umso mehr wollte ich durch die Drogen in eine andere Wahrnehmungsweise reisen. Hier begann die Sucht! Durch irgend einen dummen Zufall kamen die „harten Drogen“ ins Spiel. Ich fand das Heroin, lernte es kennen und lieben. Diese Droge ist das Hinterhältigste und Gefährlichste was ich kenne. Es vermittelt einem genau das, was jeder Mensch so verzweifelt sucht: Wärme, Gelassenheit und es macht ungemein selbstsicher! Ein Trugschluß! Charakter und Körper gehen langsam zugrunde. Man ist nur noch betäubt, ein lebendiger Toter!
Die Abhängigkeit sitzt tief in der Seele und bereitet unbeschreibliche Schmerzen, wobei ich nicht nur die physischen Qualen meine. Man ist süchtig und verkauft all seine Werte, doch der völliger Realitätsverlust verhindert, dass man etwas dagegen unternimmt. Nur die Substitution verhinderte meinen Tod. Mein Tagesablauf normalisierte sich etwas. Doch die Gier nach dem „Kick“ hörte nicht auf.

Der Weg aus der Abhängigkeit: Ich hatte das Glück immer eine Arbeit zu haben. So habe ich den Bezug zur Realität und einem „normalen“ Leben nie aus den Augen verloren. Eines Tages schlichen sich einige Gedanken in mein Gehirn: Wer bin ich? Was mache ich? Ich möchte doch leben, fühlen und denken! Ich kann nicht mehr sagen, wer oder was sie auslösten, sie waren meine Rettung! Doch ohne Fleiß kein Preis. Ich stellte mich um auf das Substitutionsmittel Subutex und kämpfte …
Es ist mir nun möglich, ein Leben ohne Suchtdruck zu führen. Hätte ich damals von diesem Medikament erfahren, hätte ich mir eine Menge Ärger mit Codeinsaft und Methadon ersparen können. Diese Mittel verlagern die Abhängigkeit nur. Nun gut, meine Sinne sind jetzt nicht mehr betäubt. Dies zu spüren, die Sinne wieder gebrauchen zu können: Mit den Augen sehen, den Ohren hören, mit dem Gehirn denken und mit dem Herzen lieben – dies wahrzunehmen ist immer wieder der schönste und intensivste „Kick“ den ich jemals hatte. Nun erfüllt mich das Leben an sich, ich benötige keine Betäubung mehr. Im Gegenteil, ich kann nicht genug erleben und in mich aufnehmen. Ich hoffe dieser kleine Auszug aus meiner „Drogenkarriere“ verschafft einigen Lesern den berühmten „KLICK!“. Es ist nie zu spät …

Bettina, 31 Jahre

Meine Drogenkarriere ist alles andere als gewöhnlich. Meine Kindheit war okay, ich bin kein Scheidungskind, habe zwei völlig „normale“ und erfolgreiche Geschwister und Eltern, die zu mir halten. Mein Realschulabschluß war gut, ich absolvierte eine Lehre als Industriekauffrau, danach eine Ausbildung zur Justizsekretärin im mittleren Dienst. Mit Drogen hatte ich bis dato nie was am Hut, bis ich 19 war, habe ich noch nicht einmal geraucht! Der erste Kontakt zu illegalen Drogen entstand durch einen Freund von mir. Ich war neugierig. Die anfänglichen Probierversuche verschärften sich durch eine sehr schwere Erkrankung von mir. Hinzu kam der Unfalltod meiner damaligen besten Freundin, der mich sehr mitnahm. Ich war total down, mir war alles egal, warum also nicht Drogen nehmen? Was konnte mir in dieser Situation noch passieren? Was hatte ich zu verlieren? Die Drogen brachten Erleichterung. Nicht so, wie es uns in vielen Filmen suggeriert wird. Dass plötzlich alles rosarot ist. Nein, aber ich nahm durch die Drogen nicht nur das Negative wahr. Insbesondere meine Krankheit verlor durch die Drogen ihre Bedrohlichkeit …

Ich konnte meine Sucht ganze sieben Jahre verheimlichen, obwohl ich dazu sagen muss, dass ich nie gespritzt habe. Die Situation war damals irgendwie schon irre, ich führte ein absolutes Doppelleben. Da gab es die Bettina, die ganz normal ihrer Arbeit im Amtsgericht nachging, zuverlässig war, pünktlich war, aber auch die Bettina, die immer mehr in die Sucht hinein rutschte. Tagsüber arbeitete ich für den Justizapparat, abends durch meine Sucht gegen ihn! Wie mir diese Gratwanderung gelang, bleibt mir bis heute ein Rätsel. Irgendwann wurde mir mein Doppelleben zuviel, ich wollte und musste vor mir einen reinen Tisch machen. Ich beichtete meinen Eltern meine Drogensucht, das war im März, im Mai war ich schon auf Therapie. Dort lernte ich meinen damaligen Freund kennen, wir brachen beide ab. Zwar wurde ich in den Folgemonaten nicht rückfällig, doch ich wurde ungewollt schwanger. Die Beziehung ging in die Brüche. Kurze Zeit später lernte ich meinen jetzigen Freund kennen. Nach 2 Jahren kam es dann wieder zu einem Rückfall, er fuhr ein, ich selbst ging ins Substitutionsprogramm. Zur Zeit ist es für mich nicht einfach, ich habe eine Tochter groß zu ziehen und gehe einer geregelten Arbeit nach. Trotz der Arbeit bekomme ich nicht viel mehr als meinen Sozialhilfesatz. Das ist ganz schön ernüchternd. Mein Freund wird im nächsten Jahr entlassen, wie sich unsere gemeinsame Zukunft gestaltet, ist noch offen. Ich engagiere mich darüber hinaus auch in der Initiative JES-Schwäbisch Gmünd, möchte dafür kämpfen, dass man Drogenabhängige nicht einfach abstempelt, sondern ihnen eine faire Chance bietet. Ich weiß, was es heißt, Menschen zu haben, die dich nicht aufgeben.

Biodrogen

Biodrogen

Bei den Pflanzen spielen insbesondere die Nachtschattengewächse eine bedeutende Rolle. Zu den häufig konsumierten Biodrogen gehören Stechapfel (Datura stramonium), Engelstrompete (Brugmansia suaveolens), Bilsenkraut (Hyoscamus niger, auch als „Schlafkraut“ bekannt), Tollkirsche (Atropa belladonna) und Alraune (Mandragora). Verantwortlich für die psychoaktive Wirkung sind hauptsächlich die Alkaloide Atropin, Scopolamin und Hyoscyamin.
Atropin und Hyoscyamin haben eine stimulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem ( Z N S ), sie hemmen das an bestimmten Nervenenden freigesetzte Azetylchlorin, indem s i e die Rezeptoren besetzen. Scopolamin wirkt hingegen eher dämpfend. Alle diese Alkaloide sind hochgiftig und halluzinogen.

Die Pflanzen werden im frischen oder getrockneten Zustand gegessen, als Tee getrunken oder geraucht. Der Glaube, dass nicht verbotene natürliche Substanzen weniger Gefahren aufweisen als illegale synthetische Stoffe, mag zwar ziemlich verbreitet sein, ist jedoch falsch. In Deinem Gehirn wird alles zur Chemie, alles, was die Blut-Hirn-Schranke überwindet, greift in das Neurotransmittergleichgewicht ein und verändert Dein Bewußtsein und Deine Wahrnehmung. Hinzu kommt, dass viele der Biodrogen kaum erforscht sind und die jeweilige Dosierung verdammt schwer einzuschätzen ist.

Insbesondere bei den Biodrogen gilt: Der Grat zwischen der angestrebten psychoaktiven und einer lebensgefährlichen Wirkung ist sehr schmal. 

Schon kleinste Grammeinheiten können üble Vergiftungen hervorrufen. Diese zeigen sich durch gerötete, heiße Haut, erweiterte Pupillen (daher auch der Name Atropa Belladonna = „Schöne Frau“ für die Tollkirsche – ins Auge geträufelt, erweitert das Tollkirschenextrakt die Pupille und führt zu schönen, tief wirkenden Augen, freilich auf Kosten der Sehschärfe!), lang anhaltende Lichtempfindlichkeit, quälende Mundtrockenheit, Angst- und Stimmungsschwankungen, Orientierungslosigkeit, Sehstörungen mit Reizung der Bindehaut und Halluzinationen. Die Hauptgefahr liegt aber im Auftreten von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen: Das Herz fängt so stark an zu schlagen (bis zu 300-mal pro Minute), dass es nicht mehr in der Lage ist, den ganzen Körper mit Blut zu versorgen. Ebenfalls besonders gefährlich sind die mitunter extremen Angst- und Panikzustände, welche durch Biodrogen ausgelöst werden können.

Über die verheerenden Folgen – hier ein Zeitungsausschnitt:

Selbstverstümmelung mit Heckenschere im Drogenrausch

18-Jähriger schnitt sich Penis ab

Halle (rpo). Nachdem er sich einen schmackhaften Tee aus den Blüten der Engelstrompete gekocht hatte, hat sich ein 18-Jähriger in Halle im Rausch seine Zunge und seinen Penis abgeschnitten.

Nach der Selbstverstümmelung wurde er in der Psychiatrie der Universitäts-Klinik Halle behandelt, bestätigte eine Sprecherin einen Bericht des Kölner „Express“ (Dienstagausgabe).

Der Jugendliche habe sich zunächst völlig normal verhalten, nachdem er das Drogengebräu getrunken habe, berichtete das Blatt. Dann begann der Horror-Trip. Nach Aussagen der Mutter ging der 18-Jährige in die Laube des elterlichen Gartens und verstümmelte sich dort. „Zu retten ist da nichts mehr, nichts kann mehr angenäht werden“, zitiert die Zeitung den Notarzt.

Die Polizei hat keine Informationen über den Fall. Die Sprecherin Ulrike Diener sagte: „Die Engelstrompete fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Und Selbstverstümmelung ist kein Strafbestand“, sagte sie.

Experten zufolge probieren immer mehr Jugendliche Garten- und Zierpflanzen als Drogen aus. Niemand könne einschätzen, wie die Gifte wirken, sagte der Ärztliche Leiter der Klinik am Waldsee dem Kölner „Express“. Die Folgen seien unabsehbar, aber zumeist verheerend. Neben Psychosen, Verwirrung und gestörter Wahrnehmung habe es schon mehrere Selbstmorde gegeben.

Zauberpilze

Psilocybin verhält sich bereits in Dosen ab 4mg Reinsubstanz wie ein typisches Halluzinogen. Die Effekte halten jedoch nicht so lange an wie bei LSD. Nach ca. 4 Stunden beginnt die Wirkung abzuklingen. Der Wirkstoffgehalt des Pilzes ist aber nur schwer einschätzbar, da er stark schwanken kann. Auch in unseren Breitengraden sind psyilocybinhaltige Pilze vertreten. Der bekannteste mag der Psilocybe semilanceate sein – der Spitzkegelige Kahlkopf.

Neben den „Psilos“ gibt es eine weitere Gruppe psychotroper Pilze. Es handelt sich dabei um Vertreter aus der Gattung der Amanita, und zwar um den Fliegenpilz (Amanita muscaria) und den Pantherpilz (Amanita pantherina). Beide enthalten das Halluzinogen Muscimol. Die Wirkung des Fliegenpilzes und des Pantherpilzes wird von vielen Menschen als überaus unangenehm beschrieben. Dennoch sind muscimol-haltige Pilze schon seit Jahrhunderten als Rauschmittel bekannt und weit verbreitet. So galt der Fliegenpilz wegen seiner berauschenden Wirkung in Russland gar einige Zeit als Zahlungsmittel für Rentiere! Beim Verzehr dieser Pilze kann es leicht zu Übelkeit und Vergiftungserscheinungen kommen. Neben Halluzina-tionen sind auch Delirien möglich. Nach dem Verzehr des „zubereiteten“ Pilzgerichts folgt meist ein mehrerer Stunden andauernder schlafähnlicher Zustand (Dämmerschlaf). Danach kann sich – so Berichte – eine halluzinogene Phase anschließen, die vor allem durch optische Wahrnehmungsveränderungen geprägt ist.

Dazu gehören farbige Scheinbilder, eine erhöhte Empfindlichkeit für Geräusche und eine verzerrte Größenwahrnehmung. Raum- und Zeitvorstellungen verschieben sich. Zudem können Euphorie und Gefühle der Schwerelosigkeit auftreten. Die Rauschwirkung hält ca. 5 bis 6 Stunden an. Die Gefahren des Pilzkonsums lassen sich wie folgt umreißen: Hohe Verwechslungsgefahr, Fehler bei der Zubereitung, hochgiftige „Neben“- Stoffe, Dosierungsschwierigkeiten in Folge natürlicher Wirkstoffschwankungen, schwer steuerbare Trips, lange Nachwirkung.

Dazu ein Erlebnisbericht von Adam aus Schwäbisch Gmünd, 32 Jahre:

Meine Experimente mit Pilzen liegen mittlerweile ca. 10 Jahre zurück. Meine Freundin und ich waren damals total wild auf Trips und Selbsterfahrungen mittels psychotroper Substanzen. Acid war sehr teuer und sehr schwer zu beschaffen. Daher kamen wir auf die Idee, uns mit „Psilos“ zu beschäftigen. Wir lasen jedes Buch, dass uns damals in die Hände fiel. Bei meiner Oma im Keller richteten wir ein kleines Pilzlabor ein, natürlich geheim!, und experimentierten mit diversen Pilzen.

Die Sporen bezogen wir aus Hawaii, später auch über Freunde aus Nepal. Über 8 Monate waren wir dabei mit viel Aufwand, Pilzkulturen (stropharia cubensins) anzubauen. Das größte Problem für uns war, sterile Bedingungen zu schaffen. Die Wirkung der „Psilos“ ist sehr schwer zu beschreiben. Du kannst Bewußtseinszustände erleben, in denen du Musik regelrecht Dein Bein hoch kriechen fühlst, Farben, die dir entgegen springen und mit dir kommunizieren. Tiefgründige Visionen wechseln sich mit transzendenten, „ozeanischen“ Gefühlen ab. Dein Kopf erscheint Dir zu Deinem Körper ungleich größer. Wie bei einem Baby.

Einmal hatte ich das Gefühl, dass ein Regenbogen mitten durch meinen Brustkorb scheint. Das aber ist die eine Seite. Auf der anderen Seite lauern Panikattacken und bad trips. Ich erinnere mich, dass einmal der ganze Raum voller schwarzer Punkte war, die für mich auf eine ganz reale und gleichzeitig surreale Weise Unheil verkündeten. Ich kam in Panik, wollte mit allen Mitteln den Trip blocken, aber da ist kein Schalter, der dich in deinen Ausgangszustand beamt. Bei einem anderen bad trip wurde die Musik plötzlich langsamer und langsamer, es war plötzlich so, als wenn jede Zelle in meinem Körper weiß, dass es jetzt vorbei ist. Alles was ich machte und fühlte gab mir das Gefühl, sterben zu müssen. Ich spürte eine wahnsinnige Angst, hier hatte die Bedrohlichkeit eine Dimension erreicht, die mein Hirn nicht mehr fassen konnte. Wie wenn Du von einem Auto erfasst wirst, du siehst deinen zerschmetterten Körper, hast keine Schmerzen, fühlst das irgendwie gar nicht, aber du weißt, dass es dein Körper ist. Dass nichts mehr zu machen ist. Die Schmerzen werden kommen und dann ist es vorbei. Ende. Unabwendbar.

Timothy Leary hat einmal gesagt, dass das Schlimmste sei, was dir bei einem Trip passieren kann, so zurückzukommen, wie man vorher war. Und Tom Waits sagte: Realität ist nur etwas für Leute, die Drogen nicht aushalten. Das sind lustige, aber auch sehr gefährliche, einseitige Aussagen. Trips können dich an Orte führen, zu denen du niemals vordringen wolltest. Sehr böse Orte. Und du bist am Beten, dass du von dort wieder normal zurückkehren kannst.
Ich habe viele Trips hinter mir, die Tatsache, dass ich nach dem oben beschriebenen Erlebnis einer so genannten Nahtot-Erfahrung meine ganze Pilzernte vernichtete und seither nie wieder Psilos angerührt habe, sollte klar machen, wie ich zu den Bio-Trips stehe. Man ist nicht Herrscher über seine Trips, sondern wird von ihnen beherrscht.

Amphibien

Sowohl aus Australien als auch aus südlichen Teilen der Vereinigten Staaten wird berichtet, dass Drogenkonsumenten vereinzelt getrocknete Häute bestimmter Krötenarten (z.B. bufo marinus oder auch bufo alvarius) extrahiert und als Sud getrunken haben, bzw. die Hautsekrete in getrocknetem Zustand in einer Pfeife rauchten. Der biologische Hintergrund ist folgender: In ihrer Haut haben Amphibien Drüsen, die bestimmte Sekrete produzieren. Diese dienen als eine Art Barriere gegen Krankheitskeime. Darüber hinaus schützen sie vor Austrocknung und schrecken in Folge ihrer Giftwirkung auch Feinde ab.
In dem Sekret sind neben gefährlichen Nervengiften auch halluzinogene Substanzen wie Bufotenin und Tryptamin enthalten.

Kakteen (Mescalin)

Mescalin ist die dominierende Wirksubstanz des Peyote-Kaktus (Lophophora williamsii), auch Peyotl genannt. Von der Wirkung her ist Mescalin ein typisches Halluzinogen. Der stachellose, rübenförmige Kaktus wächst vor allem in den Wüstenregionen Mittelamerikas.
Er erreicht höchstens die Größe eines Kürbisses. Schon die Azteken und die Inkas wussten um die rauscherzeugende Wirkung dieser Kakteen und verwendeten sie zu magischen Zwecken. Sie aßen Peyote, um Visionen zu bekommen und Wahrsagungen machen zu können. Dieser Kult wurde nach und nach auch von den Indianern, die auf dem Gebiet der heutigen USA leben, angenommen. Der „Peyotismus“ löste zwar Rechtsstreitigkeiten aus, doch heute dürfen die Mitglieder der Native American Church of the United States Peyote zu rituellen Zwecken legal konsumieren.

Die abgeschnittenen Kakteenköpfe werden als „peyote-button“ oder „mescal-button“ gegessen oder als abgekochter Kaktussud getrunken. Es ist – im Gegensatz zum geschmacklosen LSD – ziemlich bitter, weshalb den Konsumenten zunächst meist übel wird. Nach ca. 1-2 Stunden stellen sich die halluzinogenen Rauscheffekte ein und halten dann ungefähr 8 bis 12 Stunden an.

Ein weiterer, meskalinhaltiger Kaktus ist der San-Pedro-Kaktus (Trichocereus pachonoi). Er stammt aus den Andenregionen Perus und wird heute in vielen Gebieten Süd- und Mittelamerikas kultiviert. Er kann eine Höhe von bis zu 6 Meter erreichen. Auch er war Bestandteil religiöser Zeremonien – durch den ritualisierten Verzehr dieser Kakteen nahm der Schamane Kontakt zur Götterwelt auf und empfing Visionen.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde aus dem Peyotekaktus zum ersten Mal Meskalin isoliert, was diese halluzinogene Droge auch in Europa bekannt machte.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts avancierte Meskalin in diversen Künstlerkreisen zur Modedroge, wurde jedoch später von LSD verdrängt. Heute wird die Einnahme – abgesehen von den nord- und mittelamerikanischen Indianern – nur noch in manchen alternativen, mitunter auch okkulten Kreisen zelebriert.

Für alle Biodrogen gilt: Der Grat zwischen psychoaktiver und lebensgefährlicher Wirkung ist verdammt schmal. Wir raten Dir dringend davon ab, „Experimente“ in Eigenregie durchzuführen. Kontrollierte Bedingungen gibt es bei den „natural drugs“ nicht. Es ist ein Spiel mit dem Feuer, bei dem man sich nicht nur die Finger verbrennen kann …

Cannabis

cannaHead

Geschichte:

Cannabis gehört neben Alkohol zu den am längsten bekannten und am weitesten verbreiteten rauscherzeugenden Stoffen. Bereits vor 6000 Jahren wurde Hanf als Textilmaterial genutzt, ebenso lange bekannt sind die psychotropen Eigenschaften des Cannabis. Als heiliges Rauschmittel ist Cannabis im Hinduismus dem Gott Shiva geweiht und im rituellen Gebrauch sowie in der traditionellen Medizin Asiens als Heilmittel in Verwendung. Erstmals wird die Pflanze in China 2737 v. Chr. in dem Arzneimittel-Buch des chinesischen Kaisers Shen-Nung erwähnt und gegen Verstopfung, Rheuma, Malaria und andere Beschwerden empfohlen. Interessant ist, dass auch in der modernen westlichen Medizin Cannabis mehr und mehr an Bedeutung gewinnt (z.B. zur Unterdrückung des Brechreizes und zur Appetitanregung bei Krebs- und AidspatientInnen). Auch die industrielle Nutzung hat in neuerer Zeit eine Renaissance erfahren. Die unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten von Cannabis (Nutzpflanze – Heilmittel – Rauschdroge) sollten jedoch in der Debatte um Cannabis als Rauschmittel nicht miteinander vermischt werden.

Wie wirkt Cannabis als Rauschdroge?

Da mit dem Cannabiskonsum eine Vielzahl unterschiedlichster Stoffe in den Körper gelangt, ist es noch nicht gelungen die genauen Wirkmechanismen zu bestimmen. Die psychoaktiv stärkste Substanz, THC (=Tetrahydrocannabinol), wird beim Rauchen über die Lungenschleimhaut und bei oralem Konsum über die Darmschleimhaut aufgenommen. Im Blutkreislauf wird THC in alle Organe transportiert, wobei es sich aufgrund seiner hohen Fettlöslichkeit besonders im Gewebe mit einem hohen Fettanteil ansammelt. Aktives THC baut sich in den ersten zwei Stunden relativ schnell ab. Sehr viel länger lassen sich allerdings Stoffwechselprodukte – also Abbauprodukte – nachweisen. So können im Blut bei „chronischem“ Konsum THC-Metaboliten (Abbauprodukte wie THC-COOH) auch noch nach mehreren Wochen festgestellt werden. Im Urin unter Umständen sogar nach bis zu drei Monaten! Aber zurück zum Wirkmechanismus: Im Gehirn dockt THC an die erst kürzlich entdeckten Cannabinoid-Rezeptoren an, deren genaue Funktion noch nicht vollständig erforscht ist. Eine große Anzahl von Cannabinoid-Rezeptoren befindet sich in einer Gehirnstruktur, die für das Merken neuer Inhalte zuständig ist. Weitere dieser Rezeptoren finden sich am Kleinhirn, der Gehirnregion, die für automatische Bewegungen wie Gehen verantwortlich ist. Das erklärt möglicherweise, warum man beim Kiffen ziemlich „verpeilt“ wirkt, eine veränderte Zeitwahrnehmung hat und sich Dinge schlecht merken kann.

Mögliche Wirkungen

Die psychoaktiven Effekte von Cannabis hängen von der Dosis, der Art des Konsums, den äußeren Gegebenheiten, der Stimmungslage sowie der Erfahrung und Erwartung der KonsumentInnen ab und können dadurch recht unterschiedliche Wirkmuster entfalten. Generell kann man jedoch festhalten, dass Cannabis die bereits vorhandenen Gefühle und Stimmungen – sowohl positive als auch negative – verstärkt.

 

Berichtet wird über folgende akute psychische Wirkungen:

  • Gefühle der Entspannung, innerer Ruhe, Ausgeglichenheit
  • Heiterkeit und gesteigerte Kommunikationsbereitschaft, Kontaktfreudigkeit
  • Gelegentlich führt der Gebrauch zur Intensivierung der Sinneswahrnehmung, kann also auch halluzinogene Wirkungen entfalten
  • Verstärkung von Durst- und Hungergefühlen

Es können jedoch auch folgende unerwünschte akute psychische Wirkungen auftreten:

  • Antriebsminderung, Lustlosigkeit
  • Wahrnehmungs- und Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gefühle von Angst, Panik und Orientierungslosigkeit
  • Furcht vor Verselbständigung der Gedanken
  • Verminderung der Reaktionsfähigkeit
  • alptraumartige, halluzinationsähnliche und psychotische Erlebnisse

Körperliche Wirkungen können sein:

  • Übelkeit, Erbrechen, Schwindelgefühle
  • Rasche Erhöhung der Pulsfrequenz und damit des Herzschlages um fast ein Drittel, Kreislaufprobleme
  • Koordinationsschwierigkeiten
  • Rötung der Augen, Senkung des Augeninnendrucks
  • Hals und Lunge: Hemmung der Speicheldrüsen mit der Folge der Mundtrockenheit. Da Cannabisrauch überdies in der Regel tiefer inhaliert und der Rauch länger in der Lunge gehalten wird als beim Zigarettenkonsum, entspricht die Schädlichkeit eines Joints (Kohlenmonoxid und Teer) in etwa der Schädlichkeit von 3-5 Zigaretten. Bei chronischem Konsum können somit Atembeschwerden wie Bronchitis auftreten.

 

Die Wirkungsdauer von Cannabis kann je nach Art und Menge des Konsums unterschiedlich ausfallen. Beim Rauchen stellt sich die Wirkung unmittelbar ein, hält dann ca. 1- 4 Stunden an, wobei das „High“-Gefühl nicht abrupt, sondern allmählich abnimmt. Bei der oralen Aufnahme von Cannabis (z.B. „Hasch-Cookies“) wirkt die Droge frühestens eine halbe Stunde nach dem Verzehr. Die Wirkung tritt verzögert, dann aber plötzlich ein, und kann sich noch langsam steigern. Die Dosierung ist daher schwierig.

Immer wieder wird behauptet, dass Cannabis eine Einstiegsdroge für eine spätere Heroinabhängigkeit sei. Und gerne werden dazu Schreckensszenarien in den dunkelsten Farben gemalt. Die Vorstellung eines zwangsläufigen Umstiegs auf andere Drogen ist heutzutage widerlegt.

Wenn man schon von Einstiegsdrogen redet, wären an erster Stelle Alkohol, Zigaretten und Medikamente zu nennen! Dennoch sind die Gefahren von Cannabis natürlich auch nicht zu verharmlosen. Die oben aufgezählten Risiken sollten Dir zu Denken geben. Wie wir aus Gesprächen mit Ärzten aus dem Ostalbkreis und Entgiftungseinrichtungen erfahren haben, häufen sich in letzter Zeit drogeninduzierte Psychosen in Folge massiven THC-Konsums! Außerdem werden Hemmschwellen in der Hinsicht herabgesetzt, da die Grenze der Illegalität verletzt wird. Mag durch Gesetzesänderungen in bestimmten Fällen (z.B. Gelegenheitskonsum in geringen Mengen ohne Fremdgefährdung) auch von einer weiteren Strafverfolgung abgesehen werden, der Umgang mit Cannabis ist nach wie vor verboten.

Kiffst Du regelmäßig und in hohen Dosen, ist eine psychische Abhängigkeit nicht zu umgehen. Spätestens dann kann nicht mehr von Gebrauch, sondern muss von Missbrauch gesprochen werden. Und spätestens dann verliert auch der Einwand, dass es sich bei Cannabis um eine „weiche“ Droge handelt, an Bedeutung.

Konsumiere nie …

  • Bei Lungenerkrankungen und bestehenden Herzbeschwerden oder Herzerkrankungen. THC erhöht Deine Pulsfrequenz, belastet Deinen Kreislauf.
  • Bei Ängstlichkeit, Depressionen oder anderen, psychischen Problemen. Cannabis kann unter Umständen diese Zustände noch verstärken.
  • Während der Schwangerschaft und der Stillzeit.
  • Zum „Runterkommen“. Einige KonsumentInnen benutzen Cannabis zum „Runterkommen“ von aufputschenden Drogen wie Speed, Kokain oder Ecstasy. Mischkonsum stellt allerdings eine noch stärkere Belastung für Deinen Körper dar, Du bremst und beschleunigst gleichzeitig. Außerdem wird Dein „Hangover“ verlängert, es kann zu üblen Angstzuständen und Paranoia kommen.

Quellen:

BZgA: „Cannabis: Haschisch und Marihuana. Eine Informationsbroschüre“, Köln 2000.
DHS: „Jahrbuch Sucht 2002“, Geesthacht 2001.
Goodyer, Paula: ,,Kids + Drugs“, Freiburg im Breisgau 1999.
Heudtlass, Jan-Henrik u. Stöver, Heino (Hrsg.): „Risiko mindern beim Drogengebrauch“, Frankfurt am Main 2000.
Hurrelmann Klaus u. Bründel Heidrun: ,,Drogengebrauch – Drogenmissbrauch“, Darmstadt 1997.
Parnefjord, Ralph: ,,Das Drogentaschenbuch“, Stuttgart 2000.
Petermann, Harald u. Roth, Marcus (Hrsg.): „Sucht und Suchtprävention“, Berlin 2002.
Rudgley, Richard: ,,Lexikon der psychoaktiven Substanzen“, München 1999.
Schmidtbauer, Wolfgang u. vom Scheidt, Jürgen: „Handbuch der Rauschdrogen“, München 1997.
Thamm, Berndt Georg: ,,Stichwort Drogen“,München 1994
Ferner u.a. folgende Internetquellen:
www.dgsuchtmedizin.de, www.checkyourdrugs.at, www.dhs.de, www.thema-drogen.net,
www.indro-online.de, www.drugcom.de, www.methadone.org, www.drogen-info.de

Drogen & Führerschein

Du hast Deinen Führerschein aufgrund eines BTM-Deliktes verloren. Oder Du stehst kurz davor, diesen zu verlieren. Eine „MPU“ soll nun angeordnet werden. Du bist ratlos.
Was erwartet Dich? Was musst Du bedenken? Wo stecken Risiken, wo Möglichkeiten und Chancen? Vor allem: Was sind Deine Rechte?

Wichtige Fragen, auf die Du Antworten suchst.

Lass Dich von Experten beraten!
Wir bieten seit vielen Jahren Suchtberatung / Drogenberatung und Straffälligenhilfe im Ostalbkreis an.

 

Wir haben wesentliche Fakten und Antworten für Dich in unserer neu überarbeiteten Info-Broschüre zusammengestellt.

Natürlich reicht das nicht aus, um sich optimal und hinreichend auf die „MPU“ vorzubereiten. Aber wir wollen Dir einen ersten Grobüberblick bieten, Dir zeigen, in welche Richtung die nächsten Schritte getan werden müssen. Ganz gleich, was immer behauptet wird: Eine „MPU“ ist durchaus zu meistern.Doch dafür sind vor allem zwei Dinge Voraussetzung:
Erstens: eine gute Vorbereitung.
Zweitens: die Überzeugung, Deine feste Überzeugung (!), dass Drogenkonsum und Verkehrsteilnahme nicht zusammenpassen. Es mag Deine private Entscheidung sein, Drogen zu konsumieren. Wenn Du Dich aber unter dem Einfluss von Drogen in den Verkehr begibst, gefährdest Du nicht nur Dich selbst, sondern auch andere Menschen. Wir gehen davon aus, dass das nicht in Deinem Interesse sein kann. Unser Interesse ist es, Dich bei einem selbstkritischen Umgang mit Drogen zu unterstützen und Dir im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen, Deine „Eignung“ unter Beweis zu stellen. Dazu haben wir diese Broschüre erstellt, außerdem stehen wir Dir gerne mit persönlicher Beratung zur Seite.

Aus dem Inhalt unserer Info-Broschüre:
-Zweifel an Deiner „Eignung“???
-Was erwartet Dich bei der „MPU“?
– Wie kann man sich auf die MPU vorbereiten?
-Wirkung von Drogen im Straßenverkehr
-Nachweisbarkeit und Wirkungsdauer psychotroper Substanzen
-Substitution und Führerschein
– und vieles mehr!

Hier findest Du unseren aktuellen Flyer als Download: ODIS-FLYER

 

Die Info-Fibel wurde bereits 2003 konzipiert und im Jahr 2010 von uns vollständig überarbeitet.
Du kannst die 64-seitige Infobroschüre kostenlos als PDF-Datei herunterladen: MPU-Fibel

Eine gebundene Broschüre bekommst Du gegen einen mit 1,45 € frankierten und an Dich adressierten DIN C5- Briefumschlag, den Du an folgende Adresse schickst:

Sozialberatung Schwäbisch Gmünd e.V.

Stichpunkt: MPU-Fibel
Milchgässle 11
73525 Schwäbisch Gmünd.

Ecstasy

xtc1

Geschichte

Bereits im Jahr 1898 wurde Ecstasy (MDMA) erstmals synthetisiert, die Substanz wurde jedoch erst 14 Jahre später von der Pharmafirma Merck aus Darmstadt zum Patent angemeldet. Von Tierexperimenten der U.S-Armee in den 50er Jahren abgesehen, geriet MDMA bis 1965, dem Jahr der Resynthetisierung durch den damals an der Universitity of California lehrenden Chemiker Alexander Shulgin, in Vergessenheit. Shulgin testete die Substanz in zahlreichen Selbstversuchen. Vor lauter Begeisterung über die Wirkung vernachlässigte er in der Folgezeit seine Arbeit, was letztlich zu seiner Entlassung führte. In den sechziger und siebziger Jahren wurde Ecstasy von einigen Psychiatern und Psychotherapeuten gezielt in der Psychotherapie eingesetzt, es setzte sich aber aufgrund seiner Nebenwirkungen nicht durch. Mitte der 80er Jahre wurde die Substanz in allen WHO-Mitgliedstaaten in die jeweiligen Suchtmittelverordnungen/ -gesetze aufgenommen, was jedoch nicht verhindern konnte, dass Ecstasy von den USA über Ibiza nach England, Holland und Deutschland seinen Weg fand und seither insbesondere die Rave- und Technoszene entscheidend beeinflusst.

Wie wirkt Ecstasy als Rauschdroge?

xtc2Ecstasy wirkt auf das Limbische System im Gehirn und regt, ähnlich wie bestimmte Antidepressiva, die Nervenzellen dazu an, den unter anderem für Gefühle verantwortlichen Botenstoff Serotonin freizusetzen. Die Droge verhindert gleichzeitig auch die Wiederaufnahme von Serotonin in die körpereigenen Speicher, deswegen wirkt das bereits ausgeschüttete Serotonin länger. In geringerem Maße wird auch der Botenstoff Dopamin (bzw. auch Noradrenalin) freigesetzt. Die Substanzen der „E-Familie“ weisen somit sowohl eine chemisch-strukturell enge Verwandtschaft mit den Amphetaminen (siehe auch: Speed) als auch mit den klassischen Halluzinogenen auf. Ecstasy wird über die Leber abgebaut und über die Nieren ausgeschieden. Am Tag nach dem Ecstasy Konsum herrscht im Gehirn ein akuter Serotonin-Mangel, das Gehirn braucht viele Tage um den Serotoninspiegel wieder auf ein normales Level zu bringen.
Die Folge? Müdigkeit, Erschöpfung, Verwirrung und zum Teil sehr starke depressive Verstimmungen.

Mögliche Wirkungen:

„E“ wird meist als Pulver zu runden (seltener: sechseckigen) Tabletten gepresst oder in Gelatinekapseln abgefüllt. Die Tabletten weisen mitunter Bruchrillen oder fantasievolle Prägungen (z.B. einen Pilz, ein Smiley, einen Totenkopf, ein Herz, …) auf. Die Wirkung der Ecstasy-Tabletten setzt nach etwa 20 bis 60 Minuten ein und wird oft als euphorisierend und antriebssteigernd beschrieben. Ursprünglich wurde nur MDMA als Ecstasy bezeichnet. Im Laufe der letzten zehn Jahre tauchten eine Reihe anderer Amphetaminderivate mit ähnlicher Wirkung auf dem Schwarzmarkt auf, so dass heute auch MDA, MDE, MBDB und weitere Verbindungen zu Ecstasy gezählt werden

Erste Wirkungseffekte zeigen sich u.a. durch Kribbeln im ganzen Körper, Unruhe, ein steifes Gefühl in den Armen, geweitete Pupillen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Kieferverspannungen und einen schnelleren Herzschlag. Danach treten zunehmend psychische Veränderungen in den Vordergrund: Gefühle werden intensiver wahrgenommen, Hemmungen abgebaut und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit stellt sich ein. Häufig wird von Euphorie, Glückseligkeit, Entspannung, Trance-Zuständen und dem innigen Verlangen nach Nähe, Körperkontakt und vertrauten Gesprächen berichtet. Es kann zu einer Intensivierung der Körperwahrnehmung und einem stärkeren Empfinden von Musik kommen. Wie intensiv eigene Gefühle und Gedanken wahrgenommen werden (entaktogene Wirkung), einfühlende Zustände (empathische Wirkung) sowie halluzinogene und stimulierende Effekte auftreten, hängt auch von der Art der konsumierten Substanz ab: Während MDMA eine stark empathische und eine mittlere entaktogene Wirkung hat, sind empathische Zustände bei MBDB sehr selten, entaktogene Wirkungen jedoch besonders stark. Bei MDA kommt es häufiger zu (Pseudo-)Halluzinationen, aber kaum zu empathischen Zuständen, MDE hat eine mittlere empathische und eine leicht halluzinogene Wirkung.
„E“ mag zwar das sexuelle Lustempfinden intensivieren, doch die physische Fähigkeit, es auszuleben, wird beeinträchtigt. Männliche Konsumenten erleben oftmals das genaue Gegenteil einer Erektion: Einen schrumpfenden Penis!

Negative Wirkungen

Für Kreislauf und Organismus stellt Ecstasy eine extreme Belastung dar.

Folgende körperliche Störungen und Anomalien können auftreten:

  • Erweiterung der Pupillen
  • Herzrhythmusstörungen (bis hin zum Herzstillstand)
  • Durst, Hunger, Schmerz und Erschöpfung werden durch die Abnahme der Sinnesempfindlichkeit nicht mehr wahrgenommen
  • Verspannungen des Kiefers (sogenannter „Beißer“)
  • Der Puls wird schneller und der Blutdruck steigt
  • Die Körpertemperatur steigt
  • Schwindel und Erbrechen
  • Hoher Flüssigkeitsverlust (Gefahr des Austrocknens)
  • Zuckungen der Gesichtsmuskulatur und Muskelkrämpfe

Die negativen Effekte von Ecstasy machen sich meist erst nach Abklingen der Wirkung bemerkbar. Als Resultat wird erneut Ecstasy konsumiert, um das körperliche Wohlbefinden wieder herzustellen. Die Nachwirkungen werden bei chronischem Missbrauch jedoch nur noch schlimmer. Es ist keineswegs ein Märchen, dass Ecstasy bleibende Hirn- und Nervenschäden verursachen kann.

  • Es können unter anderem folgende Symptome auftreten:
  • Depressive Verstimmungen
  • Erhöhte Reizbarkeit
  • Störungen der Denkleistung
  • extreme Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
  • Schlafstörungen trotz totaler Erschöpfung
  • Appetitlosigkeit
  • Gestörte Selbstwahrnehmung

Von „Adam“, „Eva“ und ihren Kindern

ADAM ist eine alte Bezeichnung von MDMA, welche von amerikanischen Psychotherapeuten geprägt wurde. Offensichtlich lag der anagrammschen Veränderung die Idee zugrunde, dass MDMA bei Patienten einen Zustand der Unschuld und totalen Entspannung bewirke. Später bekam Ecstasy auf MDEA-Basis den Namen „Eve“, zahlreiche weitere Kunstnamen sowie Ecstasy-Ableger folgten: Sitting Duck, Pitbull, Roadrunner, Pete Tong, Buffalo, Strawberry, White Bull, Shamrock, … Vor diesem Hintergrund die Formel E=mc_ heranzuziehen (Ecstasy = Mischmasch-Chemie im Quadrat), ist sicherlich nicht unangebracht, denn viele der vermeintlichen Ecstasy-Tabletten enthalten Koffein oder Chinin, manche Spuren von Kokain, andere wiederum gefährliche Substanzen wie Ketamin und Ephedrin.

Einige sogar: Nichts. Was genau in der Pille an Wirkgift steckt, bleibt meist unklar. Und genau hier steckt die große Gefahr der so genannten Designerdrogen.

Designerdrogen – zu denen auch Ecstasy zählt – stellen eine Mixtur aus natürlichen psychotropen und im Labor entwickelten Substanzen dar. Die Herstellung ist verhältnismäßig einfach. Man richte sich mit geringem Aufwand ein kleines Labor ein, erkundige sich über die diversen Herstellungsmöglichkeiten und besorge sich (legal!) die benötigten Grundstoffe aus dem Chemikalienhandel. Denn juristisch gesehen, ist es durchaus möglich, bestimmte Ausgangsstoffe legal zu erwerben, problematisch ist am Ende nur die Weiterverarbeitung bzw. die Zusammensetzung der Einzelsubstanzen. Häufig werden (ehemalige) Arzneimittel als Ausgangssubstanzen für die weitere Verarbeitung herangezogen, so z.B.: Fetanyle, Amphetamine, Prodine, Tryptamine und Phencyclidine. Designerdrogen auf der Basis von Tryptaminen („happy pills“), Prodinen und Fetanylen („China White“, „Persian White“) oder auch Phencyclidinen (PCP, „Peace Pill“, „Angel Dust“, „Monkey Tranquillizer“) sind in ihren Gefahren kaum zu unterschätzen. Sie können das Schmerzempfinden drastisch sinken lassen, führen zu visuellen Verzerrungen, zu Selbstüberschätzung und können bei Überdosierung gar einen plötzlichen Tod herbeiführen. Für skrupellose Hobby-Chemiker gilt: Der kreativen Weiterverarbeitung durch weitere legale und illegale Substanzen und Streckmittel ist dabei keine Grenze gesetzt. Durch immer neue Syntheseverfahren und Kombinationsmöglichkeiten lässt sich die Molekularstruktur eines Stoffes, sozusagen sein „Design“, und damit auch sein Wirkmuster in unüberschaubar viele Varianten ändern. So kann die kreierte Droge eine dämpfende, euphorisierende oder auch halluzinogene Wirkung auslösen. Problem für den Konsumenten: Zu Risiken und Nebenwirkungen lässt sich weder Apotheker noch Arzt befragen …

Wir raten Dir dringend davon ab, Designerpillen zu schlucken und/oder mit ihnen zu experimentieren. Es sind genügend Fälle von skrupellosen Hobby-Chemikern bekannt, in denen es zu bleibenden Hirn- und Nervenschädigungen kam. Kleine Pillen können großen Schaden anrichten!

Quellen:
DHS: „Jahrbuch Sucht 2002“, Geesthacht 2001.
Goodyer, Paula: ,,Kids + Drugs“, Freiburg im Breisgau 1999.
Heudtlass, Jan-Henrik u. Stöver, Heino (Hrsg.): „Risiko mindern beim Drogengebrauch“, Frankfurt am Main 2000.
Hurrelmann Klaus u. Bründel Heidrun: ,,Drogengebrauch – Drogenmissbrauch“, Darmstadt 1997.
Parnefjord, Ralph: ,,Das Drogentaschenbuch“, Stuttgart 2000.
Rudgley, Richard: ,,Lexikon der psychoaktiven Substanzen“, München 1999.
Schmidtbauer, Wolfgang u. vom Scheidt, Jürgen: „Handbuch der Rauschdrogen“, München 1997.
Thamm, Berndt Georg: ,,Stichwort Drogen“,München 1994
Ferner u.a. folgende Internetquellen:
www.dgsuchtmedizin.de, www.checkyourdrugs.at, www.dhs.de, www.thema-drogen.net,
www.indro-online.de, www.drugcom.de, www.methadone.org, www.drogen-info.de

Gedanken eines 34jährigen

Gedanken eines 34jährigen, „der sich motivieren möchte, bzw. motiviert sein sollte“
Eigentlich habe ich das Leben, das ich bisher geführt habe, gründlich bis über beide Ohren satt. Das Elend in das ich mich habe treiben lassen, mich selbst getrieben habe, will immer noch schlimmer werden und wird sich auch noch verschlimmern, wenn ich nicht bald etwas dagegen unternehme. Wohnungslosigkeit, Geldlosigkeit, Besitzlosigkeit, Schulden, die mich fast erdrücken, das sind nur die materiellen Dinge, die mich unglücklich machen und die ich ändern sollte. Die anderen Dinge sind meine angegriffene Gesundheit, meine Labilität, meine Lust am Drogenkonsum bis zur Bewußtlosigkeit. Dazu kommt die Gewißheit ein verpfuschtes Leben zu haben, meine immer wiederkehrende Erkenntnis, beziehungsunfähig zu sein, Torschlusspanik zu haben, die Gedanken: „Zu nichts nutze zu sein“ (das habe ich schon in meiner frühsten Kindheit gesagt bekommen), meine Aggressionen, meine Wut auf die nicht funktionierende Welt und Gesellschaft, meine Enttäuschungen über mich selbst, andere Menschen und Dinge, die einfach nicht so laufen wie sie meiner Meinung nach laufen sollten. Das alles macht mich total fertig, depressiv, unfähig das Leben zu genießen, „Ja“ zum drogenfreien Leben, überhaupt „Ja“ zum Leben zu sagen. Dinge zu nehmen, wie sie eben sind, das erscheint mir fast unmöglich, macht mich unglücklich, ärgerlich, wütend. Unfähig positiv zu reagieren. Ich weiß, dass ich nicht mehr stark belastbar bin, in meinem Beruf ist das aber eine Vorsaussetzung. Jeder Chef verlangt in meinem Arbeitsfeld schnelle und perfekte Arbeit bis auf den 1/1000 mm genau. Jeder kleine Fehler (schon in der Arbeitsvorbereitung) zieht viele Folgefehler nach sich. Die Angst zu versagen, den Aufgaben nicht gewachsen zu sein, sind dabei meine täglichen Begleiter. Dabei war ich in der Berufsschule immer einer der Besten. Auch im praktischen Bereich machte ich große Fortschritte. Aber mir fehlt es an Übung. Vielleicht habe ich eben doch den falschen Beruf. Überhaupt mache ich mir Gedanken, warum ich arbeiten, Geldverdienen, Schulden zahlen und vielleicht auch noch sparen soll. Das ganze Gerackere hat doch überhaupt nichts genützt, wenn man am Ende doch ins Gras beißt. „Früher“ oder „später“, das sind die beiden Fragen, aber die Antwort steht. Zieht man ein Resümee dieser Überlegungen, müsste doch jeder vernünftige Mensch sagen: Also diese Dinge zum Positiven zu ändern, ist genug der Motivation eine erneute Therapie zu beginnen, sie erfolgreich zu beenden und dann ein anderes Leben zu führen. Cleane Freunde, ein gutes Umfeld und soziale Kontakte zu haben. Sehnsüchte. Aber kann ein Mensch, der mit der ständigen Angst im Nacken lebt, erneut zu versagen, erneut rückfällig zu werden, vernünftig sein, ja überhaupt Vernunft haben? Wieso dann nicht ALLES beim ALTEN lassen? Bringt ja sowieso NICHTS. Diese beiden Sätze blockieren so stark meinen, vielleicht noch gesunden Menschenverstand, so dass ich am liebsten den Stift aus der Hand legen würde und aus reinem Selbstmitleid laut heulen möchte. Aber nicht mal weinen kann ich. Das erste Mal seit 25 Jahren habe ich an Pit´s Beerdigung Tränen der Trauer in den Augen gehabt. Seither nicht mehr. Freudentränen benetzen meine Augen schon eher, z.B. wenn Deutschland Weltmeister wird oder so ähnlich. Aber ich habe auch eine positive Sturheit in mir, ich kann einen Weg sehr gradlinig verfolgen, wenn ich davon überzeugt bin, das Richtige zu tun. Erstmal auf dem rechten Weg gebracht, lasse ich mich fast nicht mehr davon abbringen und kann dabei sehr hartnäckig vorgehen. In eine, für mich funktionierende, cleane Gesellschaft kann ich mich schon recht schnell integrieren und auch zum Teil recht wohlfühlen. Ich denke, ich sollte ehrlich zu mir selber sein und mir eine neue reelle Chance geben, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen, Warnsignale beachten zu lernen, um nicht in den Treibsand zu geraten, in den tiefen Morast, und um letztendlich nicht wieder im unendlichen Sumpf zu landen.

Harald, 34 Jahre

Auch mein Einstieg war eher klassisch: Alkohol und Zigaretten, Haschisch, mit 16 Jahren dann die ersten Trips. Bald darauf die ersten Deals und meine Etablierung im Gmünder „Weichdrogenmarkt“. Es lief alles easy, bis sich Heroin in mein Leben schlich. Es traf mich wie eine Keule und ich verlor die Kontrolle über mich. „H“ bestimmte mein Leben, veränderte mich und meine Freunde bestanden nur noch aus Dealern und Kunden. Bin geflogen (auf die Schnauze). Mit 23 kam ich für 3 Jahre in den Knast. Körperlich ging´s mir wieder blendend. Doch mein Kopf war noch daneben. Kam wieder nach Gmünd und die alte Geschichte nahm ihren Lauf. 4 Jahre lang, krasser als je zuvor. 1999 meine erste Therapie. War gerade zwei Wochen dort (körperlich, mein Kopf war bei „meinen Leuten“ in Gmünd). Hab „Therapieurlaub“ gemacht und in diesem erkannt, dass ich eigentlich gegen mich selbst kämpfe. Hab mich überschätzt und die Macht der Drogen unterschätzt. Nur keine weitere Bruchlandung. Ich war bereit meinen Kampf fortzuführen und zwar in die richtige Richtung. Kontra drugs. Bin jetzt seit 5 Jahren clean und mir geht´s blendend. Hab wieder Power gekriegt. Berufsausbildung zum Zimmermann, schöne Wohnung, bin wieder mobil usw. Im Frühjahr 2003 bestand ich die für mich härteste Prüfung: Den Tod meiner Mutter. Ich musste lernen, keine Schuldgefühle zu haben. Geholfen hat mir, dass unsere Beziehung vor ihrem Tod sehr innig war. Sie hat mein cleanes Leben erst richtig zum Blühen gebracht.

In diesem Sinne, durch Selbsterkennung, Höhen und Tiefen ohne Drogen, bin ich gewachsen. Arbeite nebenher noch als Nachtwache auf dem Friedrichshof und leiste Präventionsarbeit. In diesem Rahmen entstand eine Selbsthilfegruppe, die ich mit Gleichgesinnten gegründet habe. Das cleane Leben tut gar nicht weh, im Gegenteil: Schmerz verursacht, wenn ich mir lieb gewonnene Leute abstürzen sehe. Die Macht der Drogen. Was ich allen empfehlen möchte: Sich nicht aufgeben und das Leben wieder selbst in die Hand nehmen.

Anmerkungen:
Harald hat mit einigen Freunden eine Selbsthilfegruppe in Heilbronn gegründet. Interessenten können ihn gerne über folgende Adresse kontaktieren:

Harald Schnäbele, Am Ordensschloß 2, 74182 Obersulm.

Helmut, 46 Jahre

Gerade uns „Altjunkies“ macht man das Leben ziemlich schwer. Ich versteh nicht, dass man auf der einen Seite Alkohol gesellschaftlich toleriert, auf der anderen Seite alle illegalen Drogen und damit auch uns als User bekämpft. Dabei richtet die Volksdroge Alkohol viel mehr Schaden an. Wie viele Ehen gehen deswegen jedes Jahr kaputt, wie viele Kinder werden da durch vernachlässigt, wie viele Menschen sterben an Alkohol und auch an Nikotin? Ich finde, dass die „Normalbevölkerung“ viel besser aufgeklärt werden sollte. Über die Gefahren der Genussmittel und über die Situation von uns Junkies. Ich z.B. weiß, dass ich bei Methadon noch viel mehr anfange, zu saufen. Ganz unabhängig davon, will ich mich durch ein Substitutionsprogramm nicht noch mehr abhängig machen. Für mich ist Methadon keine Ersatzdroge, denn sie ersetzt für mich nichts. Vielleicht befriedigt Metha den Körper, nicht aber den Geist und die Seele. Mit Codein komme ich viel besser zurecht. Aber es ist verdammt schwer, an Codein heranzukommen. Und es kostet auch einiges. So bin ich eigentlich den ganzen Tag damit beschäftigt, meinen Saft zu organisieren. Für Freizeit bleibt da nicht viel übrig. Das ist kein Leben für mich als 46-Jähriger. Ärzten will ich keine Schuld geben, ich sehe die Probleme auf viel höherer Ebene. Unsere Politiker, die Drogenpolitik betreiben, aber keine Ahnung haben. In ihrer Politik steht schon lange nicht mehr der Mensch im Mittelpunkt.

HIV & HEP

HIV & HEP – Infos und Tipps rund um Deine Gesundheit

Vor dem Hintergrund des Drogengebrauchs spielt das Thema Gesundheit eine ganz besondere Rolle. Dabei ist es erst einmal unwichtig, ob Du „weiche“ oder „harte“ Drogen, ob Du nur „ab und zu“ oder auch „immer öfter“ konsumierst. Fakt ist: Die meisten User sterben nicht an den Drogen selbst, sondern an den Konsumbedingungen.

Darum informier´ Dich über die im Zusammenhang mit Drogen wichtigen Gesundheitsrisiken. Wir haben Dir hier die typischsten und weitverbreitesten Krankheiten und ihre Symptome zusammengestellt.

SAFER USE & SAFER SEX sind nicht nur Schlagworte, sondern wichtige Maßnahmen wie Du Dich und Deinen Körper schützen kannst.

Drogen zu nehmen ist also die eine Sache, nicht an seine Gesundheit zu denken, die andere. Keiner kann sich um Deine Gesundheit besser kümmern als Du selbst!!!

AIDS + HIV

AIDS steht für die englische Bezeichnung „acquired immune deficiency syndrome“, zu deutsch: Erworbener Mangel an Abwehrkraft. Ist das Immunsystem defekt, kann der Körper Krankheitserreger nicht länger effektiv bekämpfen. Ursache für diese Immunsystemschwäche ist eine Infektion mit HIV („human immunodeficiency virus“ = menschliches Immundefekt-Virus).

Wie und wann sich eine HIV-Infektion zu einem Immundefekt entwickelt, hängt von Umständen ab, die bis heute noch nicht ganz geklärt sind. Fakt ist: Jede Infektion hat ihr eigenes Verlaufsmuster. Fakt ist auch: Selbst wenn eine HIV-Infektion noch nicht heilbar ist, bestehen gute Chancen, den Ausbruch von AIDS um viele Jahre zu verzögern. Nicht jeder, der mit dem HI-Virus infiziert wurde, muss zwangsläufig an AIDS erkranken.

HIV wird durch Körperflüssigkeiten wie Blut oder Sperma übertragen. Häufige Infektionswege sind ungeschützter sexueller Kontakt und die Benutzung nicht steriler Spritzen bei Drogenkonsum (Stichwort: Needle Sharing). Bluttransfusionen sind ebenfalls eine mögliche Infektionsquelle, die jedoch in Deutschland aufgrund strenger Sicherheitsauflagen kaum noch von Bedeutung ist. Das Übertragungsrisiko einer HIV-infizierten Mutter auf ihr Kind während der Schwangerschaft und der Geburt wird auf ca. 15% – 40% geschätzt. Durch entsprechende medizinische Maßnahmen kann das Risiko jedoch auf unter 2 Prozent gesenkt werden. Eine Übertragung des Virus durch Stillen ist möglich.

Auch wenn sich Schrecken und Panik über AIDS in unseren Breitengraden nach millionenschweren Aufklärungskampagnen („Gib Aids keine Chance) weitestgehend gelegt zu haben scheinen, lässt sich nicht leugnen, dass Aids eine globale Epidemie darstellt. In praktisch jedem Land der Erde sind Infektionsfälle zu verzeichnen. Weltweit – so die Schätzungen der WHO – leben mehr als 40 Millionen Menschen mit HIV, fast 3 Millionen davon sind Kinder unter 15 Jahren. Man geht davon aus, dass sich im Jahr 2003 etwa fünf Millionen Mensch neu mit dem HI-Virus angesteckt haben. 3 Millionen sind im Jahr 2003 an AIDS gestorben, davon waren ca. 500 000 Kinder unter 15 Jahren. Zum Vergleich: Der gesamte Ostalbkreis hat ca. 316 000 Einwohner zu verzeichnen!

Die Ursprungsgeschichte von HIV/AIDS ist für die Wissenschaft noch nicht eindeutig geklärt, wohl aber gibt es eine Vielzahl unterschiedlichster Theorien. Eine recht abenteuerliche lautet wie folgt: In amerikanischen Kriegswaffenlabors wurde das HI-Virus absichtlich gezüchtet, um „störende“ Randgruppen wie Drogenabhängige, Inhaftierte und Homosexuelle auszumerzen. Etwas plausibler scheint dagegen die Theorie eines internationalen Virologen-Teams an der Universität Birmingham (Alabama, USA) zu sein. Sie stießen bei ihren Untersuchungen auf einen Virus, der AIDS-ähnliche Symptome bei Schimpansen auslösen kann. Durch eine genetische Analyse war es der Forscher-Gruppe möglich, aufzuzeigen, dass das so genannte SI-Virus eine Kombination aus zwei Virusstämmen darstellt, welche in bestimmten Meerkatzen vorkommen. Da Meerkatzen bekanntlich von Schimpansen gefressen werden, müssen sich die Schimpansen durch die Nahrungsaufnahme mit diesen beiden Virusstämmen infiziert haben, aus denen sich dann in ihrem Körper das SI-Virus bilden konnte. Die Übertragung auf den Mensch erfolgte nach Ansicht der Wissenschaftler in den 1930er Jahren durch den Verzehr von Schimpansenfleisch. Schimpansenfleisch galt für die Einwohner damals als Delikatesse!

Mag die Krankheit nach wie vor auch noch als unheilbar gelten, hat die Medizin in den letzten Jahren dennoch große Fortschritte machen können. Zwei Formen der Behandlung sind zu unterscheiden. Einerseits probiert man durch die „retrovirale Behandlung“ das HI-Virus zu bekämpfen. Andererseits versucht man durch moderne Wirkstoffkombinationen die „opportunistischen Erkrankungen“, d.h. die durch die Immunschwäche hervorgerufenen Infektionen und Krebserkrankungen, in den Griff zu kriegen. Die Therapie gegen das Virus selbst ist sehr schwierig, da es sich rapide vermehrt und ständig Mutationsprozessen unterworfen ist.
Wer sich auf HIV testen lassen möchte, muss sich einem Bluttest unterziehen.

Da das Virus selbst nur durch ein sehr aufwändiges Verfahren nachgewiesen werden kann, sucht man zunächst nicht direkt nach ihm, sondern nach Antikörpern die das Immunsystem gegen das Virus gebildet hat. Von einem „AIDS-Test“ zu sprechen, ist also nicht ganz richtig. Denn ein positives Testergebnis sagt nichts darüber aus, ob und wann jemand an AIDS erkrankt. Nach einer Ansteckung mit HIV dauert es in aller Regel ca. 3 Monate, bis sich im Blut eine erkennbare Menge an Antikörpern gebildet hat. Hattest Du also montags ungeschützten Sex mit einer Dir fremden Person, nützt es nichts, sich dienstags dem üblichen HIV-Test zu unterziehen! Übrigens: 60% der Ansteckungen passieren in festen Partnerschaften!

HEPATITIS

Die Leber ist ein etwa fußballgroßes Organ im rechten Oberbauch und quasi die „Chemiefabrik“ Deines Körpers. Sie ist u.a. für die Umwandlung und Verwertung von Nährstoffen zuständig, aber auch für die Entgiftung von Fremdstoffen.

Mit Hepatitis ist die Entzündung (-itis) der Leber (griechisch: hepar) gemeint. Ursachen einer Leberentzündung können z.B. toxische Substanzen (Alkohol, Tabletten), Stoffwechselerkrankungen oder auch Viren sein. Unter Drogenabhängigen sind insbesondere die Hepatitis-Viren vom Typ C weit verbreitet. Experten sprechen von bis zu 80%. Neben der Virusform C gibt es die Formen A, B, D und E – jeweils mit Untervarianten. Vor allem Hepatitis B + Hepatitis C sind gefährlich.

Wenn Du Hepatitis A und/oder B noch nicht gehabt hast, solltest Du Dich unbedingt dagegen impfen lassen. Dies ist besonders dann wichtig, wenn Du bereits Hepatitis C- oder HIV- infiziert bist. Gegen Hepatitis C kann man sich nicht impfen lassen. Im Falle einer Ansteckung bietet sich eine medikamentöse Behandlung mit Interferon und Ribaverin an. Die Behandlung erfordert jedoch eine hohe Motivation, Mitwirkungsbereitschaft und Belastbarkeit („compliance“). Zudem können Nebenwirkungen auftreten, die den Entzugssymptomen ähneln. Wir empfehlen Dir ein ausführliches Gespräch mit Deinem Arzt. Neuere Untersuchungen (2003) haben übrigens ergeben, dass die Erfolgsraten bei Abhängigen (insbesondere im Rahmen der Substitution) recht gut sind.

Substanz Auswirkungen auf deine Leber
Alkohol sehr schädlich
Kokain, Amphetamine Stoff an sich unschädlich, aber die Nebenwirkungen nicht
Heroin Gefährlich sind die Streckmittel
Metha, Subutex unschädlich
Barbiturate schädlich
Beruhigungsmittel nicht sehr schädlich
Cannabis unschädlich

Hepatitis wird gerne mit Gelbsucht (=Ikterus) gleichgesetzt. In der Leber wird der rote Blutfarbstoff Hämoglobin zu Bilirubin abgebaut, über die Galle in den Darm transportiert und mit dem Stuhl ausgeschieden. Bei einer Hepatitis kann dieser Prozess gestört werden – was einen Bilirubin-Rückstau im Körper zur Folge hat. Ca. 5 bis 6 Tage nach der Ansteckung färbt sich dann zunächst die Augenschleimhaut und danach die Haut gelb, der Urin wird deutlich braun und der Stuhl sehr hell. Daher spricht man auch von „Gelbsucht“.

L(i)eber testen!

Wichtig jedoch: Der Verlauf einer Hepatitis-Erkrankung ohne Gelbsucht ist häufiger. In den meisten Fälle treten weder Gelbfärbung noch weitere Beschwerden auf! Man kann also die Viren in sich tragen, ohne davon etwas zu merken. Wir empfehlen Dir deswegen, Dich regelmäßig z.B. bei Deinem Hausarzt durchchecken zu lassen. Das sollte Dir Deine Gesundheit wert sein.

SAFER SEX & SAFER USE – Die goldenen Regeln

Für „HIV&HEP“ gilt: Nicht den Löffel abgeben – Fixen nur mit eigenem, sauberem Spritzenbesteck. Sex nur mit Kondom. Eigentlich keine große Sache. Kann aber Dein Leben sichern.

Mehr über SAFER SEX:

Fakt ist: Hepatitits B und C sowie HIV können übertragen werden, wenn Sperma, Blut oder Scheidenflüssigkeit einer infizierten Person A über die Schleimhäute des Mundes, des Afters, der Scheide, der Eichel, der Augen oder über eine offene Wunde in den Blutkreislauf von Person B gelangen. Ungeschützter Sex ist der häufigste Übertragungsweg dieser Viren. SAFER SEX ist also angesagt, wenn Du Dich und andere schützen möchtest. SAFER SEX bedeutet nicht, dass Du keinen Spaß mehr haben darfst. Im Gegenteil: Gewisse Vorbereitungen geben Dir erst die nötige Sicherheit, Dich fallen lassen zu können. Den Körper des anderen zu erleben, zu erkunden – ohne dabei ein flaues Gefühl haben zu müssen.

Sex – das ist erst einmal das, was Du daraus machst. Der eine steht darauf, die andere will es so, der andere kann es nur so, die eine machte es aus Liebe, der andere für den Partner … „Peter“ nur mit „Heidi“, „Heidi“ am liebsten mit „Elke“, „Elke“ dagegen träumt von „Franz und Josef“, „Josef“ will aber am liebsten mit sich selbst …

Sex – das ist immer auch eine Frage der Situation. Ob nun als Quickie auf dem Parkplatz oder gemütlich mit langem Vorspiel im Bett, ob nach Feierabend oder vor der Schule, ob bei einem Glas Wein oder für die Zigarette danach … Was jedoch keine Frage sein sollte: Benutze ein Kondom. Gehe kein Risiko ein. Für Dich nicht. Für den anderen nicht.

Daher:

  • Sei selbstbewusst. Bestehe auf Kondome. Lass Ausreden wie „Hey, Du nimmst doch die Pille“, „Kondome sind etwas für Weicheier“, „Wir passen schon auf“, „Es wird schon nichts passieren“, „Kondome töten die Gefühle“, „Hast Du kein Vertrauen?“ und dergleichen mehr nicht gelten. Niemand kann sich um Deine Gesundheit besser kümmern als Du selbst. Wer ein Kondom nicht akzeptiert, hat Dich nicht verdient.
  • Vaginalverkehr: Pille und Spirale bieten zwar möglichen Schutz gegen eine Schwangerschaft nicht aber gegen Viren. Über die empfindlichen Scheidenwände kann HIV leicht in die Blutbahn gelangen. Das Risiko ist dann besonders groß, wenn im Genitalbereich schon eine Infektion vorherrscht oder die Scheidenwände entzündet sind. Zyklisch bedingte Hormonschwankungen und Verhütungsmittel wie Pille und Spirale können Scheidenentzündungen hervorrufen. Für Männer gilt: Infektiöse Scheidenflüssigkeit kann über die Schleimhäute des Penis zur Ansteckung führen. Regel in der Regel: Monatsblutungen erhöhen das Infektionsrisiko. Daher Vorsicht. Kondome schützen.Analverkehr: Da dieser Bereich stark durchblutet ist und die Schleimhäute sehr sensibel sind, ist das Risiko hier besonders groß. Etwas dickere Kondome, zusammen mit einem fettfreien Gleitmittel, bieten jedoch guten Schutz. Bedenke: Fetthaltige Mittel, wie Vaseline und Öle greifen die Latexhaut des Kondoms an!
  • Oralverkehr: Ist etwas ungefährlicher – es sei denn der Mundraum ist z.B. nach einem Zahnarztbesuch sehr wund (stark blutend!). Auch während der Menstruation ist das Risiko erhöht (Tipp: „Dental dam“ oder auch „Lecktuch“ – ein spezielles Latextuch, das in Apotheken erhältlich ist – kann Schutz bieten). Allgemein wird empfohlen: Kein Sperma in den Mund. Wenn Du auf Nummer sicher gehen möchtest, nimm auch hier ein Kondom.
  • Zungenküsse: Bedenkenlos. Zwar können HI-Viren auch im Speichel vorkommen, doch aufgrund bestimmter Enzyme ist die Konzentration dort sehr gering. Ihr müsstet schon 6-7 Liter infizierte Spucke austauschen, um eine Ansteckung möglich zu machen. Anders sieht die Sache – wie schon erwähnt – aus, wenn Ihr eine offene Wunde im Mundraum habt. Hier kann sich HIV, wenn auch mit geringer Wahrscheinlichkeit, durch Blut übertragen.
  • Fingerspiele, Schmusen, Streicheln, Petting … bergen kein großes Risiko.
    Viel Spaß!
  • Der kleine Kondom-Ratgeber: Vielleicht gerade am Anfang ein bisschen ungewohnt – doch Übung macht den Meister! Je öfter Ihr ein Kondom benutzt, desto weniger wird die „zweite Haut“ stören. Nehmt Qualitätskondome. Achtet auf Haltbarkeitsdatum und auf eine unbeschädigte Verpackung. Kondome, die sich hart und brüchig anfühlen, könnt Ihr vergessen. Weg damit. Verpackung nicht mit Messer oder anderen scharfkantigen Gegenständen öffnen. Vorsicht bei brüchigen, rissigen und spitzen Fingernägeln. Daran denken: Es gibt bestimmte Salben und Vaginalzäpfchen, die sich nicht mit Kondomen vertragen. Auf die jeweiligen Packungsbeilagen achten. Fetthaltige und ölhaltige Mittel können die Latexhaut beschädigen. Doppelt hält besser?!?? – Nie zwei Kondome übereinander rollen. Sie scheuern gegeneinander und rutschen leichter ab. Starke Haarstoppel nach Intimrasuren können dem Kondom ebenfalls schaden. Kondome kühl und trocken lagern. Keine Automatenware! Bei Fernreisen: besser Markenkondome von zu Hause mitnehmen. Bei häufig wechselnden sexuellen Kontakten: mehrere Kondome in der Jackentasche oder in der Handtasche vorrätig haben. Man weiß ja nie …
  • „Sex & Drugs & Rock´n Roll“ mag interessant klingen. Doch gerade in Partylaune oder auf Droge schmeisst man wichtige Vorsätze gerne über Bord. Oder provoziert riskante Situationen, die am Tag danach üble Gewissensbisse hervorrufen. Wie konnte ich nur? Hoffentlich ist nichts passiert… Egal welche Droge Du konsumierst, sie beeinflusst Dein sexuelles Erleben. Die eine Droge mag Dich geiler machen, Dich enthemmen, die andere entspannt, macht Dich wie betäubt. Gerade auf Droge und in Partylaune ist SAFER SEX besonders wichtig, ist Vorsorge besonders ratsam.
  • Miteinander sprechen. Offen sein. Auf gewisse Sicherheiten bestehen. Grenzen akzeptieren. Sich schützen. Den Partner schützen. Macht Sex einfacher schöner.
    Wir wünschen Dir viel Spaß!

Mehr über SAFER USE

Unkontrollierter Mischkonsum, gemeinsame Spritzenbenutzung, ungeschützter Sex, kein Gedanke an ein Morgen, nur der nächste Kick im Visier, Hauptsache: dicht und breit … kein Wunder, dass HIV&HEP auf der Szene grassieren. Drogen zu nehmen ist die eine Sache, nicht mehr auf sich selbst und seine Gesundheit zu achten, die andere. Aber genau daran sterben die meisten. Daher haben wir unter Drogeninformationen zu jeder aufgeführten Droge auch SAFER USE- Informationen bereitgestellt. Es mag zwar keinen risikofreien Umgang mit Drogen geben, aber das bedeutet nicht, dass gewisse Sicherheitsregeln nicht Leben retten können. Informier Dich, klick Dich rein. Das sollte Dir Deine Gesundheit wert sein.

Quellen:
Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (Hrsg.): Drogenkonsum und Hepatitis, Berlin 2001.
Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (Hrsg.): Safer Sex – Schutz vor AIDS, Berlin 1996.
Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (Hrsg.): Richtiges Spritzen kann man lernen, Berlin 1999.
Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (Hrsg.): Virus- Hepatitis. Eine Orientierungshilfe, Berlin 2003.
Ford, Michael Thomas: Viren sind nicht wählerisch, München 1999.
JES Osnabrück (Hrsg.): Was Sie schon immer über Hepatitis wissen wollten, Osnabrück 2001.
JES Osnabrück (Hrsg.): Hepatitis und Drogen, Osnabrück 2003.
Robert Koch- Institut (Hrsg.): Gesundheitsberichtserstattung des Bundes: Hepatitis C, Berlin 2003.
Strohm, Holger: Die Ansteckung. Was Sie alles über AIDS wissen müssen, Reinbek bei Hamburg 1987.
Ferner haben uns folgende Internetadressen wichtige Anregungen geben können:
www.aidshilfe.de; www.rki.de; www.kompetenznetz-hepatitis.de ; www.netdoktor.de
(Stand: Mai 2004)
Dank an die Aids-Hilfe Schwäbisch Gmünd für die freundliche Unterstützung!
Dank auch an Herrman Kuon von der Hepatitis C-Selbsthilfegruppe Ostalb!

K., 26 Jahre

Ich finde es vor allem erstaunlich, wie schnell du in die Sucht hineinrutschen kannst und dann richtig abrutschtst. Das geht so wahnsinnig schnell.

Wenn ich jetzt auf junge Leute stoße, die es ganz cool finden, sich ihren Joint zu drehen oder Trips zu schlucken, dann denke ich mir immer, so hat das bei mir damals auch angefangen.

In meiner Clique war ich immer die „Kleine“, wollte unbedingt dazu gehören, fing also auch an zu kiffen und so. Auch andere Sachen. Oft wusste ich gar nicht, was das genau war. Ich wollte eben nur dabei sein. Klar, dass ich anfangs immer eingeladen wurde. Meist am Wochenende in der Disko. Irgendwann wurde es für uns dann auch ganz normal, innerhalb der Woche was zu nehmen. Nie wäre mir damals in den Sinn gekommen, dass ich davon abhängig werden konnte. Aufhören war kein Problem – denn ich wollte ja gar nicht aufhören!

Tja, irgendwann wurde ich dann plötzlich nicht mehr eingeladen, ich war „drauf“ ohne es richtig wahrhaben zu wollen und musste mich plötzlich um den Stoff selbst kümmern. Das Elend nahm seinen Lauf. Erst fängst du an, dir Geld von überall her zu leihen, von Freunden und Verwandten, versprichst alles Mögliche, aber du kannst die ganzen Versprechen nie halten. Du hast ein elendes Gefühl im Magen und in der Seele, aber die Drogen bringen dir Erleichterung. Machen Dein schlechtes Gewissen weg. Dann fängst du irgendwann an zu stehlen oder vercheckst was. Am Ende bin ich sogar anschaffen gewesen.

Aber das war mir damals alles ziemlich egal, du denkst nur an den Stoff, alles andere perlt an dir ab. Dir ist irgendwann auch egal, was du dir in die Venen spritzt. Hauptsache du bist dicht. So dicht, dass dich nichts mehr berührt. Dass ich damals mit jedem Druck mit meinem Leben spielte, war mir nicht bewußt. Wenn ich damals nicht meinen Freund kennen gelernt hätte, wer weiß, wie es mir ergangen wäre.

Mein Freund riß mich da raus, ich kam weg vom „H“, fing aber an, zu trinken. Eine Flasche Wodka am Tag war nichts. Als ich ungewollt schwanger wurde, wusste ich, dass ich so nicht mehr weitermachen konnte. Ich schaffte es – auch mit dem Rückhalt meiner Familie – mich durch ein Substitutionsprogramm mehr und mehr zu stabilisieren. Seit ca. 2 Jahren führe ich ein relativ bürgerliches Leben, meine Metha-Dosis ist gering, ich habe keinen Beikonsum, lebe mit meinem Freund und unserer Tochter zusammen, finanziell sind wir abgesichert, uns geht es gut.

Es ist komisch über die Zeit von damals nachzudenken, über mein Leben im „Vollrausch“, natürlich habe ich noch lange nicht alle meine Ziele erreicht, aber ich bin auf einem guten Weg.

Kajo, 40 Jahre, Gründer von JES – Schwäbisch Gmünd

Lebe seit 1970 in Gmünd, Drogen gehören schon immer irgendwie zu meinem Leben und dieser Stadt. Dass Gmünd ein Drogenpflaster ist, mag unter anderem auch an der Stationierung amerikanischer Soldaten gelegen haben, die immer für eine rege Nachfrage gesorgt haben.

Gehandelt wurde in den 70er Jahren besonders mit Haschisch, der starke Dollarkurs brachte gute Gewinne ein. Später stiegen viele auf den Handel mit Heroin um. Das hatte zwei Gründe: Der Handel mit Heroin wurde ähnlich bestraft wie der mit Haschisch, das Risiko war also gleich. Aber Heroin ließ sich einfach durch die geringeren Mengen, die benötigt wurden, besser handhaben. Außerdem waren die Gewinnspannen höher.
Zum ersten Drogentoten kam es 1979, „Lusche“ starb an einer Überdosis „H“. Das führte u.a. dazu, dass man begann, härter gegen den Drogenhandel in Gmünd vorzugehen. Das Rauschgiftdezernat wurde aufgebaut. Das Geschäft wurde härter, der Stoff mehr und mehr gestreckt.

Ich kann mich gut daran erinnern, dass wir zu Anfang Stoff in einer Qualität bis zu 70% hatten. Heute muss man froh sein, wenn du was um die 20% bekommst. Oft sind es sogar unter 10%, der Rest sind Streckmittel, die den eigentlichen Schaden anrichten. Deine Venen kaputtmachen, die Gefahr einer Überdosis erhöhen. Wer kann bei schwankenden Reinhaltsgehalten schon die Wirkung richtig einschätzen?

Die 80er Jahre in Gmünd waren gekennzeichnet durch eine rigide Strafverfolgung, durch wenig Aufklärung, außerdem gab es keine Möglichkeit, seine Spritzen zu tauschen und natürlich auch keine Substitutionsmittel. Wir waren gezwungen bis nach Frankfurt zu fahren, um uns dort einen Druck zu setzen. Ich verlor in dieser Zeit viele meiner besten Freunde.
Ende der 80er Jahre, Anfang der 90er konnte sich die Substitution dank einiger engagierter Ärzte zunehmend durchsetzen. Die Zugangsbarrieren waren aber verdammt hoch. Während meine Frau, die HIV-positiv war, eine Substitutionsbehandlung bekam, verweigerte man mir zu Anfang diese medizinische Behandlung. Ich bin froh, dass es heute viel unkomplizierter ist, in ein Programm aufgenommen zu werden.

Die 90er Jahre brachten also Erleichterungen und Teilverbesserungen. Dennoch könnte noch viel getan werden. Ich hoffe, dass man aus den Fehlern des letzten Jahrhunderts weiter lernt und Schritte in Richtung Legalisierung unternimmt. Die Drogenpolitik versagt, wenn sie denkt, sie könnte eine drogenfreie Gesellschaft herbeiführen. Dazu vier Anmerkungen von Seiten JES-Gmünd:

Die durch die Kriminalisierung verursachten Konsumbedingungen (Schwarzmarkt, Spritzentausch, Streckmittel durch die „Zwischenhändler“, keine Qualitätsprüfungen des Stoffs möglich, neue Abhängigkeiten, Hepatitis und HIV) führen zu der eigentlichen Verelendung von Abhängigen.

  • Durch Strafandrohung und Verfolgung von Abhängigen erreicht man nichts. Wenn du „drauf“ bist, lässt du dich von Paragraphen nicht abschrecken. Selbst in Staaten, in denen man die Todesstrafe verhängt, steigt die Zahl von Abhängigen und Konsumenten.
  • Substitution stellt eine Teilverbesserung dar, aber es könnte noch viel mehr getan werden. Methadon und Co befriedigen vielleicht den Körper, nicht aber den Kopf. Erst durch eine Legalisierung und die Abschaffung des BtmG´s käme es zu wirklichen Verbesserungen.
  • Der Umgang mit Rauschmitteln lässt sich auch durch andere Gesetze regeln. Z.B. durch das Jugendschutzgesetz, Arbeitsschutzgesetz oder die Straßenverkehrsordnung. Also: Keine Drogen für Minderjährige, keine Drogen im Straßenverkehr, keine Drogen während der Arbeit, … Der Staat sollte sich jedoch nicht in die Privatsphäre der Bürger einmischen.
  • Das Geld, das eingespart werden könnte, kann man in die Prävention stecken. Eine Prävention, die nicht nur auf Abschreckung baut, sondern nüchtern Vor- und Nachteile der Drogen fokussiert.

Die Initiative JES-Schwäbisch Gmünd betont, dass Drogengebraucher ebenso wie alle anderen Menschen ein Recht auf Menschenwürde haben. Sie brauchen es nicht erst durch abstinentes Leben erwerben. Unsere Initiative versucht, neue Zusammenhalte auf der Szene zu stiften und Bündnisse nach außen zu ermöglichen. Wer Interesse hat, unser Selbsthilfe-Projekt zu unterstützen, kann sich an folgende Adresse wenden:

JES-Schwäbisch Gmünd
Milchgässle 11
73525 Schwäbisch Gmünd

Kokain

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Geschichte

Das Kauen von Kokablättern ist bei den Indeginas seit jeher ein Mittel, um die Leistung zu steigern und um Hunger und Durst zu unterdrücken. In Südamerika wurden Kokablätter bereits 3000 v. Chr. gekaut. Man geht davon aus, dass der Gebrauch auch in religösen Ritualen verankert war. 1859 isolierte Albert Niemann von der Universität Göttingen die Hauptkomponente Kokain aus den Blättern des Kokastrauches. Die Blätter des Strauches enthalten ca. 1% Kokain. Der Arzt und Psychiater Sigmund Freud (1859-1939) verschrieb Kokain als Mittel gegen zahlreiche Beschwerden und attestierte der Substanz eine „gegen Hunger, Schlaf und Ermüdung schützende und zur geistigen Arbeit stählernde Wirkung“.

Kokain setzte sich in den Folgejahren als Medikament zunehmend durch. Es wurde gegen Zahnschmerzen und Verdauungsstörungen eingesetzt, gewann aber insbesondere aufgrund seiner gefäßverengenden Wirkung als Lokalanästhetikum (vor allem bei Augenoperationen) an großer Bedeutung. Ab 1863 erfreute sich „Vin Mariani“, ein Wein, dem man Kokablatt-Extrakte beisetzte, großer Beliebtheit. Später (1888) kam „Coca Cola“ auf den Markt – ein Getränk auf der Basis von Koka und Cola-Nuss-Extrakten. Es wurde als „Muntermacher“ und gegen Kopfschmerzen angepriesen. Doch bereits 1906 wurde in den USA der Zusatz von Kokain in Getränken und rezeptfreien Arzneimitteln gesetzlich verboten. Mehr und mehr wurde deutlich, dass Kokain eine stark süchtigmachende Wirkung aufwies. Was jedoch nicht verhindern konnte, dass zu Beginn des letzten Jahrhunderts Kokain zur „Modedroge“ avancierte und vor allem in Künstler- und Intellektuellenkreisen Resonanz fand. Später ging mit dem Aufkommen der Ampethamine der Konsum zurück, da Amphetamine/Methamphetamine einfacher und kostengünstiger herzustellen sind.

Wie wirkt Kokain als Rauschdroge?

Kokain führt zu einer starken Erregung des zentralen Nervensystems. Die Droge verhindert die Rückführung des Botenstoffes Noradrenalin in die Nervenzelle. Dadurch dauert die Stimulierung der Nervenzellen viel länger als sonst an. Dieser Vorgang macht sich bei dem Konsumenten als Hochgefühl bemerkbar. Nach Abklingen des Rausches braucht der Körper einige Tage, um die Noradrenalinspeicher wieder aufzufüllen.

Mögliche Wirkungen:

Die Wirkung tritt, wenn das Kokain geschnupft wird, schon nach ein paar Minuten ein und hält circa 30-60 Minuten an. Der Konsum steigert in der Regel das Selbstwertgefühl (bis hin zur Selbstüberschätzung) und wirkt euphorisierend.

 

Weitere psychische Auswirkungen können sein:

  • Erhöhte Kontaktbereitschaft
  • Beschleunigtes Denken
  • Erhöhte Wahrnehmungs- und Reaktionsbereitschaft
  • Rededrang
  • Aggressivität
  • Verfolgungsängste
  • Depressionen oder Angstzustände
  • Halluzinationen oder Panikanfälle

Der Konsum von Kokain bleibt auch für den Körper nicht ohne Folgen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie der Konsum sich körperlich auswirken kann:

  • Ein kaltes, taubes Gefühl in Nase und Rachen
  • Erweiterung der Pupillen
  • Gerinnungsstörungen und plötzlicher Herztod
  • Beschleunigung der Atem- und Pulsfrequenz
  • Erhöhte Körpertemperatur
  • Motorische Hyperaktivität
  • Herz-Kreislaufprobleme bis hin zu tödlichen Krämpfen
  • Atemlähmung
  • Entzündung der Nasenschleimhaut bis hin zur Durchlöcherung der Nasenscheidewand (durch „Sniefen“)

 

Das psychische Abhängigkeitspotenzial ist bei Kokain sehr groß. Dabei birgt der chronische Konsum von Kokain besonders viele Risiken. Er kann zum Beispiel eine lang anhaltende, ausgeprägte Depression und Angstzustände hervorrufen. Die Gefahr von Kokain-Psychosen ist ebenfalls keineswegs zu unterschätzen. Charakteristisch sind so genannte Mikrohalluzinationen: Von den Konsumenten werden Kleinlebewesen, auch Kristalle und feiner Staub auf und unter der Haut gefühlt.

Giuseppe, 21 Jahre aus Schwäbisch Gmünd:

Ich fühlte mich plötzlich von der Polizei verfolgt, hörte Schritte auf der Treppe, sah, wie sich die Türklinken bewegten. Ich schob totale Paranoia, schlich im Zimmer umher, schloss die Rollläden. Keiner meiner Freunde konnte mich beruhigen. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass man hinter mir her war. Selbst in den Baumkronen sah ich Menschen, die mich mit Ferngläsern beobachteten …

Auch wenn „Koks“ gerne als „Sex-Droge“ bezeichnet wird, verringert der chronische Konsum die Lust auf Sex deutlich. Bei Frauen kann es zu Menstruationsstörungen kommen, kokainsüchtige Männer leiden häufig an Impotenz. Die psychische Suchtspirale ist bei Kokain besonders ausgeprägt. Der Hochphase folgt eine Tiefphase. Um die „Leere“ und Erschöpfung wieder auszugleichen, entsteht erneute Sehn-Sucht nach dem „Kick“.

Crack:

Crack ist relativ reines Kokain, das mit Backpulver (Natriumkarbonat) und Ammoniak aufgekocht wird. Es wird mit einer Crackpfeife geraucht oder auf Aluminiumfolie erhitzt, wobei die Dämpfe eingeatmet werden.
Der über die Lunge aufgenommene Rauch gelangt sekundenschnell ins Blut, von dort über die Blut-Hirn-Schranke direkt in das Zentrale Nervensystem. Die Wirkung ist schnell, geht schnell vorbei und macht schnell (psychisch) abhängig.

Quellen:
DHS: „Jahrbuch Sucht 2002“, Geesthacht 2001.
Heudtlass, Jan-Henrik u. Stöver, Heino (Hrsg.): „Risiko mindern beim Drogengebrauch“, Frankfurt am Main 2000.
Hurrelmann Klaus u. Bründel Heidrun: ,,Drogengebrauch – Drogenmissbrauch“, Darmstadt 1997.
Kruse, G., Behrendt K. u.a.: ,,Fix(en) und fertig“, Bonn 1996.
Parnefjord, Ralph: ,,Das Drogentaschenbuch“, Stuttgart 2000.
Rudgley, Richard: ,,Lexikon der psychoaktiven Substanzen“, München 1999.
Schmidtbauer, Wolfgang u. vom Scheidt, Jürgen: „Handbuch der Rauschdrogen“, München 1997.
Thamm, Berndt Georg: ,,Stichwort Drogen“,München 1994
Ferner u.a. folgende Internetquellen:
www.dgsuchtmedizin.de, www.checkyourdrugs.at, www.dhs.de, www.thema-drogen.net,
www.indro-online.de, www.drugcom.de, www.methadone.org, www.drogen-info.de

Lebenslauf: Tim, 33 Jahre

Thomas, 33 Jahre
Während meiner Kindheit bin ich zwischen Eltern, Großeltern und dem Tagheim hin- und hergeschoben worden. 1980 haben sich meine Eltern dann scheiden lassen, ich kam in ein Erziehungsheim. Da habe ich dann auch später meine Schule und eine Lehre gemacht. Kiffen und Alkohol gehörten damals irgendwie dazu. Richtig abgestürzt mit „H“ bin ich aber erst später, als ich meine damalige Freundin kennenlernte und es sich herausstellte, dass sie früher mal im Milieu gearbeitet hatte.
´94 musste ich das erste Mal wegen BTM in den Knast. Es folgten Hoch und Tiefs, ein ständiges Raus und Rein.
1997 machte ich meine erste Therapie, 2001 eine zweite. Beide Therapien habe ich erfolgreich abgeschlossen, war nach der letzten sogar 9 Monate clean. Warum es immer wieder zu Rückfällen kam? Vielleicht lag es an der Einsamkeit, der Langeweile und der Perspektivlosigkeit. Mein Therapeut von damals würde vielleicht sagen an der „Strukturlosigkeit“.
Interessant ist, dass ich mir die „Sprache“ der Therapeuten und auch der Drogenberater gut angewöhnt habe. Das Wissen ist also da. Ich weiß, was ich zu bearbeiten habe, was meine „Themen“ sind. Es fehlt mir nur die Umsetzungskraft. Zwischen dem Ziel und dem Weg dahin ist eben ein großer Unterschied. Mir fehlt der Ansporn. Und ich verspüre eine scheiß Angst, ob ich es im „geregelten“ Leben überhaupt wieder schaffe.
Manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich die letzten 10 Drogenjahre einfach verschlafen. Aber die Welt hat sich weiterentwickelt. Computer und so. Internet. Wie da wieder den Einstieg schaffen? Gut ist, dass ich mich durch das Substitutionsprogramm einigermaßen stabilisiert habe, gut ist auch, dass ich mich eigenständig um eine Umschulungsmaßnahme gekümmert habe.
Was das nächste Jahr bringt, steht in den Sternen. Eine Gerichtssache macht mir noch ziemlich zu schaffen. Aber wie würden es die Berater und Therapeuten sagen: „Der Weg ist das Ziel“. Oder wie es Grönemeyer schon besungen hat: „Stillstand ist der Tod“.

Lisa, 31 Jahre

Bereits mit 15 Jahren habe ich das erste Mal gespritzt gehabt, wollte wissen, wie es geht und was abgeht. Der Reiz des Verbotenen stand sicherlich im Vordergrund, dass ich davon abhängig werden konnte, war mir nicht klar ….Mit meiner ersten, richtigen Liebe teilte ich die Liebe zum Stoff, irgendwann stellten wird dann beide fest, dass unsere einzige Verbindung in den Drogen bestand. Das war dann auch der Tod unserer Beziehung. Mit 19 Jahren wurde ich das erste Mal inhaftiert, ich machte einen erneuten Therapieversuch, lernte meine zweite, wichtige Liebe dort kennen. Es stellte sich heraus, dass er HIV positiv war. Schon wieder musste ich feststellen, wie eng Liebe und Tod in meinem Leben zusammenhängen. Ich entschied mich trotzdem für die Beziehung und wurde sogar schwanger. Erst mit meiner Schwangerschaft wurde mir klar, welche Risiken ich durch die Drogen täglich eingegangen war und in welcher Situation ich mich befand: Alleine (die Beziehung war zu Bruch gegangen), ich befand mich in einer fremden Stadt, ohne Freunde, ohne Perspektive. Dass ich es nicht schaffte, mich weiter runterzudosieren, war eigentlich vorprogrammiert. Zu schwer war es, alleine auf eigenen Beinen zu stehen und Kraft für zwei aufzubringen. Mein Kind kam süchtig zur Welt. Es folgte ein erneuter Therapieversuch, der aber daran scheiterte, weil ich gezwungen war, mein Kind abwechselnd von Freunden und meiner Familie betreuen zu lassen. Damit kam ich nicht zurecht. Als mein Kind 3 Jahre war, bat ich das Jugendamt um Hilfe. Ich wusste, dass ich es alleine nicht schaffen werde. Als mein Sohn weg war, brach jedoch noch viel mehr weg. Ich stürzte total ab, bestand nur noch aus Wut. Wut in mir. Über mich. Und das ganze beschissene Leben. Ich wollte mich am liebsten wegmachen. Dieser Zerstörungsdrang hielt auch in der Substitution an, die ich später begann. Es ging darum, mein schlechtes Gewissen zu töten. Die Schuldgefühle. Ich spritzte Flunis und Metha, traf die Arterie, verlor dabei zwei Fingerendglieder. Als hätte ich daraus nicht genug gelernt, kam es einige Zeit später wieder zu einem „Unfall“. Diesmal hätte ich fast mein Bein verloren. Mehrere Monate Krankenhausaufenthalt warteten auf mich. Nur mit Glück konnte ich eine Amputation umgehen. Meine Perspektiven? Ich will mich langsam runterdosieren und geregelten Kontakt zu meinem Sohn aufbauen. Ich will mich gesundheitlich erholen, wieder arbeiten und Menschen kennen lernen, die mit Drogen nichts zu tun haben.

LSD

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Geschichte:

LSD-25 wurde Mitte der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts von Albert Hofmann, im Rahmen einer groß angelegten Versuchsstudie an Mutterkornalkaloiden erstmals synthetisiert. Als Mutterkorn bezeichnet man, vereinfacht formuliert, einen Schlauchpilz, der in früheren Zeiten Getreide (Roggen) befiel und so regelrechte Seuchen auslösen konnte. Einmal in die Nahrungskette mit aufgenommen, führte er dazu, dass Betroffene merkwürdig verwirrt erschienen und starke, mitunter lebensgefährliche Durchblutungsstörungen aufwiesen. Erst im 17. Jahrhundert entdeckte man den Zusammenhang zwischen pilzbefallenem Roggen und den Vergiftungserscheinungen. Bis dahin sah man in der Mutterkorn-Seuche eine Art Rache Gottes. Im Volksmund wurde die Seuche auch als „Antonius-Feuer“ bezeichnet. Antonius galt als Schutzpatron der Vergifteten!

Aber zurück zur Entdeckung von LSD: Hofman hatte den Auftrag für den Chemiekonzern Sandoz nach neuen medizinisch interessanten Substanzen auf der Basis der Mutterkorn-Alkaloide zu forschen. Dabei kam es im Frühjahr 1943 zu einem für ihn überaus seltsamen Erlebnis. Der schweizer Chemiker sah sich gezwungen, das Labor früher als üblich zu verlassen, denn es hatten ihn merkwürdige Ruhelosigkeit, starke Schwindelgefühle und visuelle Wahrnehmungsstörungen ergriffen. Da Lysergsäurediatylamid (Lysergsäure ist ein natürlicher Wirkstoff des Mutterkorns, der Hofmann in seinen Versuchsreihen eine Diäthylamid-Gruppe hinzugefügt hatte) die einzige Substanz war, mit der er an diesem Tag in Kontakt gekommen war, stürzte er sich wagemutig in einen Selbstversuch, um dem unfreiwilligen Rauscherlebnis auf den Grund zu gehen. Er nahm eine – wie er meinte – äußerst geringe Dosis von 0,25 mg (ungefähr das Zehnfache der wirksamen Dosis) und erlebte den zweiten „LSD-Trip“ der Welt. Hoffman hatte, ohne es zu wollen, eines der hochwirksamsten Halluzinogene entdeckt!

Auf Betreiben der Firma Sandoz wurde LSD unter dem Namen „Delysid“ in der Psychotherapie und Psychiatrie eingesetzt. Man hoffte, durch die Verabreichung des Medikaments, Widerstände bei bestimmten Patienten brechen zu können. Auch die US-Army führte in den 50er Jahren einige Versuche mit LSD durch (Stichwort: „Wahrheitsdroge“). Aber auch hier blieben die erwünschten Erfolge aus. Richtig berühmt wurde LSD erst in den sechziger Jahren durch einen damals wenig bekannten Psychologie-Dozenten an der Stanford-University: Timothy Leary.

Er propagierte die Freiheit des Geistes mittels psychotroper Substanzen (vor allem LSD), avancierte so zum „Drogenguru“ und konnte die Hippie- und 68er-Bewegung (zumindest hinsichtlich der Drogen) entscheidend mitprägen. Nach einigen tödlichen Zwischenfällen, für die LSD-Konsum verantwortlich gemacht wurde, wurde aus der einstigen Wunderdroge ein „Sorgenkind“, das mittlerweile weltweit als nicht verkehrsfähiges Suchtmittel eingestuft wird. Nachdem es um LSD in den 80er Jahren sehr ruhig wurde, ist mit der Entstehung der Techno-Kultur Anfang der 90er wieder neues Interesse an dem Halluzinogen aufgeflammt.

Wie wirkt LSD als Rauschdroge?

LSD wirkt sich hauptsächlich auf das Limbische System aus, das für die Steuerung emotionaler Reaktionen auf Sinneseindrücke verantwortlich ist. Die Droge hat eine ähnliche Oberflächenstruktur wie der Neurotransmitter Serotonin und kann deswegen an manchen Serotoninrezeptoren wirken (Schlüssel – Schloss – Prinzip). Der natürliche Auswahlmechanismus des Gehirns wird dadurch gestört, bestimmte Reize können nicht mehr gefiltert werden. Dies führt zu einer Fehlbewertung der Sinneseindrücke.
Mögliche Wirkung:
LSD ist eines der stärksten bekannten Halluzinoge und beeinflusst die menschliche Wahrnehmung auf außerordentliche Weise. Im allgemeinen kommt LSD in Form von Papiertrips (Löschpapiere), Mikrotabletten oder als Kapseln auf den Markt. Beim Vorgang des Aufträufelns der Substanz auf Löschpapiere oder Tabletten kann es zu starken Dosisschwankungen kommen. Durchschnittlich sind in einem Papiertrip 80 Mikrogramm LSD enthalten. Die Wirkung kann je nach Dosis 6-12 Stunden andauern. Nach etwa 30 Minuten fängt die Droge an zu wirken, am intensivsten ist der Rauschzustand nach 1 – 2 Stunden. Vor allem optische Sinnestäuschungen sind nach dem Konsum von LSD häufig zu beobachten.

LSD – Konsum kann sich folgendermaßen auf die Psyche auswirken:

  • Farben und Formen werden verändert wahrgenommen
  • Ausgeprägte Euphorie
  • Verringerte Koordinationsfähigkeit
  • Pseudohalluzinationen treten auf (sich bewegende bunte Muster, Verzerrung von Gegenständen)
  • Gefühl für Zeit und Raum geht verloren
  • Die Grenzen zwischen der eigenen Person und der Umgebung werden als gelockert bis aufgelöst wahrgenommen
  • Überlagerung bzw. Verschmelzung einzelner Sinneswahrnehmungen (Konsumenten berichten, dass sie z.B. plötzlich Farben schmecken konnten)

Da LSD auf eine Region des Gehirns wirkt, welche für die Steuerung vieler Vorgänge im Organismus verantwortlich ist, wirkt sich die Droge auch auf das körperliche Wohlbefinden aus.

Es können folgende Symptome auftauchen:

  • Erweiterung der Pupillen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kältegefühl (aufgrund der gestörten Wärmeregulation)
  • Magenkrämpfe
  • Ansteigen des Blutdrucks
  • Höhere Pulsfrequenz
  • Kreislaufprobleme

Die negativen Effekte von LSD machen sich allerdings zum größten Teil psychisch bemerkbar. Da die Halluzinationen unter LSD – Einfluss überaus real wirken, ist das Erlebte für viele Konsumenten schwer zu verarbeiten. Sie können mitunter so real sein, dass man beispielsweise davon überzeugt ist, gefahrlos über eine befahrene Autobahn gehen zu können. Im weiteren Verlauf des Trips können in Folge der Reizüberflutung Angst, Panikzustände und Psychosen ausgelöst werden. Am Tag nach dem LSD Konsum fühlt man sich meist müde, niedergeschlagen, leer und antriebslos.

Quellen:
DHS: „Jahrbuch Sucht 2002“, Geesthacht 2001.
Heudtlass, Jan-Henrik u. Stöver, Heino (Hrsg.): „Risiko mindern beim Drogengebrauch“, Frankfurt am Main 2000.
Hurrelmann Klaus u. Bründel Heidrun: ,,Drogengebrauch – Drogenmissbrauch“, Darmstadt 1997.
Parnefjord, Ralph: ,,Das Drogentaschenbuch“, Stuttgart 2000.
Rudgley, Richard: ,,Lexikon der psychoaktiven Substanzen“, München 1999.
Schmidtbauer, Wolfgang u. vom Scheidt, Jürgen: „Handbuch der Rauschdrogen“, München 1997.
Thamm, Berndt Georg: ,,Stichwort Drogen“,München 1994
Ferner u.a. folgende Internetquellen:
www.dgsuchtmedizin.de, www.checkyourdrugs.at, www.dhs.de, www.thema-drogen.net,
www.indro-online.de, www.drugcom.de, www.methadone.org, www.drogen-info.de

Männlich, 25 Jahre

Wenn ich an die ganzen Anti-Drogen-Kampagnen an meiner Schule oder auch im Fernsehen denke, überkommt mich ein Grinsen. Das wirkte doch eher wie Werbung auf uns. Ich komme vom Land und hier war unser schlimmster Feind die „Langweile“. Wir saßen immer viel an der Bushaltestelle herum, rauchten die ersten Zigaretten und warteten – auf was, tja, das war uns damals selbst nicht ganz klar. Jedenfalls haben die ganzen Appelle unsere Neugierde erst richtig geweckt. Drogen – das hatte den Reiz des Verbotenen. Den Reiz des Besonderen. Die ersten Joints brachten Abwechslung, lenkten uns vom „arten“ ab. Dann kamen die ersten Trips. Die Lehrer hatten meist selbst keine Ahnung, übertrieben in ihrem Aufklärungsunterricht maßlos. Das machte die ganze Sache so unglaubwürdig. Du nimmst Lehrer und Eltern nicht mehr ernst, weil du ganz andere Erfahrungen mit den Drogen machst. Drogen haben nicht nur eine negative Seite! Sicherlich aber auch nicht nur eine positive. Man sollte beide Seiten beachten. Und abschließend möchte ich noch sagen, dass ich trotz des langjährigen Konsums auch harter Drogen, immer einer regelmäßigen Arbeit nachgegangen bin. Die Gleichung „Drogen konsumieren=abhängig = krank= dem Sozialstaat auf der Tasche liegen“ geht nicht immer auf!

Männlich, 30 Jahre

Ich komme einfach aus dieser Suchtspirale nicht raus, werde immer wieder rückfällig. Das macht mich wütend und depressiv, fühle mich dann so minderwertig. Um diese Gefühle wegzumachen, greifst du wieder zur Droge. In letzter Zeit nehme ich vor allem Benzodiazepine. Es ist wie ein Loch, aus dem es keinen Ausgang gibt.

Medikamente

Pillen

Antidepressiva

Markenname Wirkstoff
Aponal® Doxepin
Doxepin-ratiopharm® Doxepin
Fluctin® Fluoxetin
Saroten® Amitriptylin
Stangyl® Trimipramin
Tolvin® Mianserin

Antidepressiva werden – wie es ihre Bezeichnung ja schon vermuten lässt – gegen Depressionen eingesetzt. Darunter sind jedoch keine einfachen Stimmungsveränderungen oder Gefühle von Weltschmerz zu verstehen. Depressionen im klinischen Sinne haben nichts mit „mies drauf sein“ zu tun, sondern sind ernst zu nehmende, psychische Erkrankungen. Die Einnahme von Antidepressiva führt daher auch nicht kurzfristig zu Stimmungshochs, sondern sie entfalten ihre Wirkung erst 1-3 Wochen nach Beginn ihrer Einnahme. Sie machen Dich nicht „breit“ und schenken Dir auch keinen „Kick“. Eine Gruppe von Antidepressiva wirkt depressionslösend und eher beruhigend, eine andere Gruppe depressionslösend und dabei eher anregend.

Benzodiazepine

benzo

Medikamente im Alltag

Medikamentenmissbrauch findet nicht nur auf der Szene statt. Im Gegenteil, nach Schätzungen der DHS beläuft sich die Zahl behandlungsbedürftiger Menschen, die Medikamente missbräuchlich einsetzen, auf ca. 1,5 Millionen. Die Dunkelziffer scheint weitaus höher zu sein. Nicht umsonst hat sich der Begriff „mother´s little helper“ eingebürgert, der verdeutlicht, dass Medikamentensucht ein Problem darstellt, das alle Bevölkerungsschichten betreffen kann. Nicht nur gelangweilte Mütter. Leistungsorientierte Sportler. Störende Schüler. Überarbeitete Väter. Figurbewusste Töchter.

Schon von klein auf lernen wir unangenehme Zustände (Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Leistungstiefs, Unruhe,…) mit Chemie zu bekämpfen.

Ganz natürlich – und von der Werbung suggeriert – ist der Griff zur chemischen Keule. Wer will schon unangenehme Zustände aushalten müssen? Die Palette ist groß. Von Schlafmitteln, Beruhigungsmitteln, Weck- und Aufputschmitteln, Schmerzmitteln, Abführmitteln bis hin zu sonstigen Psychopharmaka.

Das Gefährliche

Die Sucht vollzieht sich schleichend. Anfangs häufig mit dem Segen des Arztes, später ganz unauffällig in Eigenregie. „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker…“ oder nehmen Sie ganz einfach ein weiteres Medikament… Der Schmerz muss „abgeschaltet“ werden, „schnell“, die Leistung wieder die alte sein.

Im Jahr 2001 wurden in der Bundesrepublik 1,66 Milliarden Arzneimittelpackungen verkauft, etwa 41% ohne Rezept im Rahmen der Selbstmedikation. Der Gesamtumsatz betrug 30,7 Milliarden Euro. 6-8% aller verordneten Medikamente besitzen ein eigenes Abhängigkeitspotential, darunter insbesondere die weiter oben beschriebenen Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Familie der Benzodiazepine.„Nicht ohne“ sind aber auch
Husten-, Schmerz- und Migränemittel mit Codein oder koffeinhaltige Kombinations-präparate.

Wie leichtfertig Medikamente selbst Kindern verabreicht werden, zeigt ein Blick auf das Medikament Ritalin. Dessen Wirkstoff Methylphenidat gehört zu den Mitteln der Psychostimulatien, die bei Kindern mit Aufmerksamkeits- / Hyperaktivitätsstörungen angewendet werden. Hier ist die Verordnungsmenge zwischen 1990 und 1999 um das Zwanzigfache gestiegen, obwohl über die Langzeitfolgen bisher noch wenig bekannt ist.

 

Die gängigsten Medikamentengruppen im Überblick:

 

Schmerzmittel

…können von zentralwirksamen, extrem abhängigkeitserzeugenden Opioide (näheres dazu unter: Opiate/Opioide) bis hin zu peripher wirksamen Schmerzmittel wie z.B. Paracetamol oder Aspirin reichen.

Wirkung:

Schmerzlindernd, anregend, manchmal euphorisierend

Akute Gefahren des Mißbrauchs:

Bewußtseinstrübung, Koordinationsstörungen,
Vergiftungen

Langzeitfolge:

Dosissteigerung, seelische Abstumpfung,
Nierenschädigung

Abhängigkeit:

Langsam entwickelnde seelische Abhängigkeit.
Bei Opioiden: Auch körperliche Abhängigkeit

Schlafmittel/ dämpfende Mittel

Wirkung:

Dämpfend, schlaffördernd, euphorisierend, spannungslösend, …

Akute Gefahren des Mißbrauchs:

Koordinationsstörungen, Reaktionsverminderung, Bewußtseinstrübung, Unfallgefahr, Vergiftungen

Langzeitfolge:

Seelische Abstumpfung, Zustand der „Umnebelung“, Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit, verminderte Reaktionsfähigkeit, Depressionen, Wahrnehmungsstörungen,…

Abhängigkeit:

Schwere seelische Abhängigkeit, bei Barbituraten auch körperliche Abhängigkeit möglich mit u.U. lebensgefährlichen Entzugssymptomen

Entspannungs- und Beruhigungsmittel

Wirkung:

Angstlösende, beruhigende, entspannende zugleich euphorische Workung.

Akute Gefahren des Mißbrauchs:

Verminderte Bewegungskontrolle, Koordinationsstörungen, Bewußtseinstrübung, Unfallneigung

Langzeitfolgen:

Dosissteigerung, starke Suchtentwicklung, unter hohen Dosen: Persönlichkeitsveränderung, Agressivität, …

Abhängigkeit:

Schwere seelische Abhängigkeit, kann schon wenige Wochen nach Einnahmebeginn einsetzen, auch unter normalen therapeutischen Dosen.

Aufputschmittel

Der Missbrauch von Stimulantien betrifft mehrere Arzneimittelgruppen: Weckmittel (Analeptika), Appetitzügler (Anorektika), einige blutdrucksteigernde Mittel (Antihypnotika), aber auch diverse hochdosierte Schnupfen- und Grippemittel.

Wirkung:

Stimulierung des ZNS, Hyperaktivität, verstärkte Kontaktfreudigkeit, Rededrang, Steigerung des Antriebs, anfänglich auch der Leistung, im weiteren Verlauf jedoch verminderte Konzentrationsfähigkeit, Schlaflosigkeit, Selbstüberschätzung, Appetitmangel, im Entzug: Zuweilen Wahnvorstellungen, langandauernde
depressive Nachphase.

Akute Gefahren des Mißbauchs:

Planlose, u.U. selbstgefährdende Hyperaktivität, Aggressivität, erhöhter Blutdruck, bei Übersdosen: Herz-Kreislaufzusammenbruch

Langzeitfolgen:

Dosissteigerung aufgrund psychischer Gewöhnung, Misstrauensreaktionen, Verfolgunsgwahn, Psychosen

Abhängigkeit:

Starke seelische Abhängigkeit

 

Quellen:

DHS: „Jahrbuch Sucht 2002“, Geesthacht 2001.
Gellert, Rüdiger u. Schneider, Gundel: „Substitution und Heroin“, Freiburg im Breisgau 2002.
Heudtlass, Jan-Henrik u. Stöver, Heino (Hrsg.): „Risiko mindern beim Drogengebrauch“, Frankfurt am Main 2000.
Hurrelmann Klaus u. Bründel Heidrun: ,,Drogengebrauch – Drogenmissbrauch“, Darmstadt 1997.
Parnefjord, Ralph: ,,Das Drogentaschenbuch“, Stuttgart 2000.
Petermann, Harald u. Roth, Marcus (Hrsg.): „Sucht und Suchtprävention“, Berlin 2002.
Rudgley, Richard: ,,Lexikon der psychoaktiven Substanzen“, München 1999.
Schmidtbauer, Wolfgang u. vom Scheidt, Jürgen: „Handbuch der Rauschdrogen“, München 1997.
Schneider, Ralf: „Die Suchtfibel“, Baltmannsweiler 1997.
Thamm, Berndt Georg: ,,Stichwort Drogen“,München 1994
Ferner u.a. folgende Internetquellen:
www.dgsuchtmedizin.de, www.checkyourdrugs.at, www.dhs.de, www.thema-drogen.net,
www.indro-online.de, www.drugcom.de, www.methadone.org, www.drogen-info.de

Nicole, 32 Jahre

Mein Vater war Alkoholiker, meine Mutter starb, als ich 11 Jahre alt war. Ich musste den Haushalt schmeissen, die Atmosphäre zuhause war ziemlich scheiße. Kein Wunder also, dass ich schon mit 15 Jahren auszog. Den Weg, den mein Vater ging, wollte ich auf keinen Fall einschlagen. Statt dem Alkohol probierte ich zusammen mit meinem damaligen Freund, die ersten Joints und die ersten Trips aus. Ich selbst war mir nicht wichtig, meine Familie war mir nicht wichtig. Ich glaube, außer meinem Freund war mir damals überhaupt nichts wichtig. In die Sucht rutschte ich ganz „blauäugig“. Dachte nicht, dass ich körperlich oder psychisch davon abhängig werden konnte. Erst schmiss ich meine Lehre, später arbeitete ich in einem „Club“. Das Geld stimmte. Erst gehst du für die Drogen anschaffen, später brauchst du noch mehr Drogen, um das ganze überhaupt zu schaffen. Der Kreislauf beginnt und frisst dich auf. Am Ende war ich nur noch ein körperliches und seelisches Wrack. Eine absolute Schnapsidee, pardon Koksidee war es, die mich und meinen Freund damals dazu brachte, eine Tankstelle zu überfallen. Wir waren jung, süchtig und brauchten das Geld. So lustig wie das hier klingt, war es nicht. Wir flogen natürlich voll auf die Schnauze, weil uns wohl auch die kriminelle Energie fehlte, so ein Ding durchzuziehen. Ich kam für ein paar Monate in den Knast. Machte meinen „turkey“, fing an, über das ganze nachzudenken. Diese vier Wände starren dich an, 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche. Ich wusste, dass ich entweder verrückt werden würde oder all meine Energie sammeln musste, um mich endlich von dem ganzen zu befreien …Die Zeit im Knast war alles andere als einfach, aber ich gab mich nicht auf. Es folgte im Anschluß an die Haftzeit eine Langzeittherapie, die mir neuen Halt gab. Und ich fand später Arbeit. Zum Glück hatte mein Arbeitgeber für meine Situation Verständnis, stempelte mich nicht als „kriminell“ oder „abhängig“ ab. Mittlerweile bin ich jetzt schon seit 7 Jahren clean. Geholfen haben mir Menschen, die mir das Gefühl gegeben haben, ich sei wichtig. Ich bin etwas wert.

Nikotin

Nikotin

Kultur und Geschichte:

Die Heimat der Tabakpflanze ist Mittelamerika. Schon die Indigenas kauten Tabakblätter und vermischten diese mit Kalk, damit die Wirkstoffe (vor allem: Nikotin) besser freigesetzt werden konnten. Das Rauchen war meist in feste Rituale eingebunden. Es waren Spanier und Portugiesen, welche die Tabakpflanze im 17. Jahrhundert nach Europa brachten. Von dort konnte sich Tabak mit dem Hauptwirkstoff Nikotin über den ganzen Erdball ausbreiten.
Manche Autoren sprechen in dem Zusammenhang auch von der „größten Drogenepidemie aller Zeiten“. Denn weder rigide Einfuhrkontrollen noch strenge Gesetze konnten verhindern, dass Tabak mittlerweile neben Alkohol zu den am weitesten verbreiteten Suchtstoffen gehört. Dabei unterscheidet sich Tabak/Nikotin weder hinsichtlich des Wirkungsprofils noch aufgrund der möglichen Schädigungen von anderen Drogen. Rauchen ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation weltweit für den vorzeitigen Tod von über 3 Millionen Menschen jährlich verantwortlich. Als ein so genanntes „Genussmittel“ ist es leicht verfügbar.

Davon zeugen allein in Deutschland über 820 000 Zigarettenautomaten, die selbst Kindern einen leichten Zugang ermöglichen. Im Jahr 2001 wurden in Deutschland 142,5 Milliarden Zigaretten verbraucht, der Anstieg um 2,1% (2000: 140 Mrd.) setzt den Aufwärtstrend der letzten 10 Jahre fort.

Problematisch

Das Einstiegsalter nimmt kontinuierlich ab. Fast jedes dritte Mädchen konsumiert im Alter von 15 Jahren regelmäßig Tabak, bei den Jungen ist es jeder vierte.

Die Werbung der Tabakindustrie für ihre „Genussmittel“ scheint speziell auf junge Käuferschichten zugeschnitten, hier beliefen sich die Ausgaben im Jahr 2001 auf 314 Millionen Euro. Trotz der umfangreichen Aufklärungskampagnen und den zahlreichen Anti-Raucher-Projekten ist eine Doppelmoral nicht zu leugnen.

Denn die im Jahr 1998 vom EU-Ministerrat verabschiedeten einschränkenden Richtlinien zur Tabakwerbung wurden 2001 von der Bundesregierung durch eine Klage verhindert. Im gleichen Licht ist die preisliche Erhöhung der Tabakerzeugnisse zu sehen. Hier scheint nicht die Eindämmung der Nikotinsucht der eigentliche Grund zu sein, sondern durch die stufenweise Erhöhung sollen die Raucher bei (der Zigaretten-)Stange gehalten werden. Schließlich handelt es sich bei der Tabaksteuer um die viertwichtigste Einnahmequelle für den Bundeshaushalt!

Schadstoffe des Tabaks

Der Tabakrauch enthält eine Vielzahl von Schadstoffen, von denen etwa 40 als krebserregend eingestuft werden. Zu den bekanntesten Schadstoff(-gruppen) zählen:

  • Nikotin: Nikotin ist ein stark abhängig machendes Gift. Mit jeder Zigarette wird etwa 1 Milligramm eingeatmet.
  • Kohlenmonoxid: Kohlenmonoxid ist ein Giftgas, welches zu 4% im Tabakrauch enthalten ist und vom Blut aufgenommen wird. Es verhindert eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Körpers und kann zu einer frühzeitigen Verkalkung und Verfettung der Blutgefäße führen.
  • Teer: Teer setzt sich in den Atmungsorganen ab, wird nur langsam wieder abgebaut und gelangt dabei in Niere und Blase.

In Deutschland geht man jährlich von 110 000 bis 140 000 Todesfällen aus. Die Kosten, der durch Tabak bedingten Krankheiten und Todesfälle, werden auf über 17 Milliarden Euro geschätzt!

Wie wirkt Nikotin als Rauschdroge?

In kleinen Dosen wirkt Nikotin anregend auf das vegetative Nervensystem. Es bewirkt eine Freisetzung von Adrenalin im Nebennierenmark und reizt die Acetylcholinrezeptoren im Gehirn.

Mögliche Wirkungen:
Meist führt der Nikotin-Konsum zu einer Aktivitätssteigerung. Es kann aber auch zu Reaktionen führen wie:

  • Herabsetzung der Muskelspannung
  • Verbesserung der Merkfähigkeit
  • Erhöhte Aufmerksamkeit
  • Allgemeine Entspannung

Die Auswirkung von Nikotin auf den Körper ist gravierend, der Konsum von Tabak erhöht zum Beispiel das Krebsrisiko (z.B. Lungenkrebs) massiv. Aber auch andere negative Wirkungen auf den Organismus sind nicht selten:

  • Chronische Bronchitis
  • Beschleunigter Hautalterungsprozess
  • Thrombose
  • Herzleiden
  • Hautunreinheiten
  • Schwere Atemwegserkrankungen
  • Schmerzen im Brustkorb

 

Insgesamt haben RaucherInnen ein fünf- bis zwanzigfach höheres Risiko an Herzleiden zu erkranken!

 

 

Risk reduction:

  • In der Nähe von Säuglingen und Kleinkindern sollte auf das Rauchen verzichtet werden.
  • Bei Frauen, die mit der Pille verhüten, erhöht der Konsum von Nikotin das Thromboserisiko und das Risiko an einem Herzleiden zu erkranken, noch deutlicher!
  • Raucher haben einen erhöhten Vitaminbedarf! Denk´an eine ausgewogene und gesunde Ernährung.

Konsumiere nie …

  • Bei Bluthochdruck
  • Bei Diabetes
  • Bei Herz-, Kreislauf- oder Lungenerkrankungen
  • In der Schwangerschaft oder während der Stillzeit

 

Regelmäßiger Nikotinkonsum führt zu schwerer körperlicher und psychischer Abhängigkeit!

 

Quellen:
DHS: „Jahrbuch Sucht 2002“, Geesthacht 2001.
Goodyer, Paula: ,,Kids + Drugs“, Freiburg im Breisgau 1999.
Heudtlass, Jan-Henrik u. Stöver, Heino (Hrsg.): „Risiko mindern beim Drogengebrauch“, Frankfurt am Main 2000.
Hurrelmann Klaus u. Bründel Heidrun: ,,Drogengebrauch – Drogenmissbrauch“, Darmstadt 1997.
Parnefjord, Ralph: ,,Das Drogentaschenbuch“, Stuttgart 2000.
Petermann, Harald u. Roth, Marcus (Hrsg.): „Sucht und Suchtprävention“, Berlin 2002.
Rudgley, Richard: ,,Lexikon der psychoaktiven Substanzen“, München 1999.
Schmidtbauer, Wolfgang u. vom Scheidt, Jürgen: „Handbuch der Rauschdrogen“, München 1997.
Thamm, Berndt Georg: ,,Stichwort Drogen“,München 1994
Ferner u.a. folgende Internetquellen:
www.dgsuchtmedizin.de, www.checkyourdrugs.at, www.dhs.de, www.thema-drogen.net
www.indro-online.de, www.drugcom.de, www.methadone.org, www.drogen-info.de

Opiate / Opioide (Heroin & Co.)

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Opium

Opium wird in einem sehr mühsamen Verfahren aus dem Schlafmohn (Papaver somniferum) gewonnen und zur Herstellung von Morphin, Codein und Heroin verwendet. Genaugenommen ist unter Opium (griech. „Saft“) der eingetrocknete Milchsaft der unreifen Kapseln des Schlafmohns zu verstehen. Dazu wird die äußere Kapselwand der Mohnpflanze vorsichtig mit einem Spezialmesser angeritzt. Die austretende Mohnmilch verfärbt sich braun und trocknet gummiartig ein. Pro Kapsel erhält man etwa 0,05 Gramm Rohopium.

Die Anwendung des Schlafmohns als Rauschdroge und auch als Heilmittel reicht, wie man aus Ideogrammen der Sumerer erfahren hat, vermutlich Jahrtausende zurück. Mit der Kultivierung von Schlafmohn wurde in China begonnen. Hier wurden vor allem die öligen Mohnsamen als Schmerzmittel eingesetzt. Gegen Mitte des 17. Jahrhunderts kam in China auch das Opiumrauchen in Mode, was sehr bald zu großen Abhängigkeitsproblemen und zu staatlichen Gegenmaßnahmen führte. Damit verbundene Einfuhrverbote lösten im 19. Jahrhundert die so genannten Opiumkriege zwischen Großbritannien und China aus.

Morphin

Morphin (abgeleitet von Morpheus, dem griechischen Gott des Schlafes) ist eine der bedeutsamsten Wirkstoffe des Schlafmohns und des daraus gewonnen Rohopiums. In der Medizin ist Morphin/ Morphium ein effektives Medikament für Menschen, die unter chronischen und sehr starken Schmerzen leiden. 1806 gelang es dem deutschen Apotheker Sertürner erstmals Morphin aus dem Rohopium zu isolieren, 1828 kam es als Schmerzmittel auf den Markt. In der Behandlung Kranker wird Morphin hauptsächlich oral verabreicht, wohingegen es bei Opiatabhängigen üblich ist, die Substanz zu injizieren. Wird Morphin regelmäßig und intensiv als Droge zu nicht medizinischen Zwecken konsumiert, entwickeln Betroffene rasch Symptome schwerer körperlicher und psychischer Abhängigkeit

Heroin

Heroin wurde 1874 erstmals synthetisiert (Schlafmohn -> Rohopium -> Morphin -> Heroin) und 1898 von der Pharmaindustrie (Firma Bayer) als Husten- bzw. Schmerzmittel auf den Markt gebracht. Da Heroin oral verabreicht wurde, somit langsam ins Gehirn gelangt und in geringer Konzentration eine eher schwache psychische Wirkung erzeugt, wurde das große Suchtpotenzial dieser Substanz vorerst nicht erkannt. Im Gegenteil: Lange Zeit war man davon überzeugt, dass Heroin zwar „heroische“ Wirkungen erzeuge, im Gegensatz zu Morphin jedoch gar nicht körperlich abhängig machen könne.

Ein Beweis dafür, wie sehr man Heroin unterschätzte, zeigt der Blick ins „alte“ Ägypten. So war es Mitte der 20er Jahre dort für viele Arbeiter möglich, sich ihren Wochenlohn in Heroin ausbezahlen zu lassen. 1929 kam es in Deutschland zum Opium-Verbot, 1961 wurden Rohopium, Heroin, Methadon, Morphin und Codein in die New Yorker Suchtgiftkonvention aufgenommen. Heutzutage ist der Besitz und Handel von Heroin weltweit verboten und wird zum Teil hart (in manchen Ländern sogar mit dem Tod) bestraft.

Heroin, dessen chemische Bezeichnung Diacetylmorphin ist, zählt also zur Klasse der halbsynthetischen Opioide. Aus dem Saft der Schlafmohnpflanze (botanischer Name: Papaver somniferum – nicht zu verwechseln mit unserem roten Klatschmohn), wird mittels Destillationsverfahren die so genannte Morphinbase extrahiert. Nach weiteren chemischen Prozessen, unter anderem durch Hinzufügen von Essigsäureanhydrid, entsteht schließlich Diacetylmorphin. Heroin – auch „H“, „Braunes“ oder „Gift“ genannt – wird auf der Szene üblicherweise mit Substanzen wie Glukose, Kalk, Puderzucker, Backpulver oder Paracetamol gestreckt und weist daher einen relativ geringen Reinheitsgehalt zwischen 10-45% (oftmals sogar unter 10%!) auf.

Durch seine chemische Struktur und seine hohe Fettlöslichkeit gelangt Heroin schneller als Morphin in das Gehirn. Die rasche „Anflutungszeit“ bewirkt einen intensiven Rauschzustand oder „Kick“. Je schneller eine Substanz die Blut-Hirn-Schranke überwindet, desto größer ist üblicherweise ihr Suchtpotenzial. Im Organismus wird Heroin zu Morphin umgewandelt und schließlich über die Nieren ausgeschieden.

Akute, negative Begleiterscheinungen können u.a. sein:

  • Verwirrung, Orientierungslosigkeit
  • Verwaschene, undeutliche Sprache
  • Müdigkeit
  • Koordinationsstörungen
  • Verstopfungen
  • Verringerung der sexuellen Lust
  • Verringerung der Atemfrequenz auf bis zu 2-4 Atemzüge pro Minute („Schnappatmung“)
Regelmäßiger Konsum von Heroin führt zu einer so genannten „Toleranz“ gegenüber seiner schmerzstillenden und beruhigenden Wirkung. Es muss mehr genommen werden, um die erwünschten Gefühlszustände wieder zu erreichen. Bei fortdauerndem Konsum entsteht psychische und körperliche Abhängigkeit: Obwohl die negativen Effekte immer deutlicher werden, ist die Sehn-Sucht nach den beruhigenden, „abdichtenden“ und euphorisierenden Wirkungen der Substanz ungebrochen. Kommt es zu Versorgungsengpässen, reagiert Dein Organismus, der sich an den körperfremden Stoff gewöhnt hat, mit unangenehmen und häufig kaum zu ertragenden Entzugssymptomen: Schüttelfrost, Erbrechen, Durchfall, Krämpfe, Schlaflosigkeit…ganz abgesehen von den psychischen Folgen: Unruhe, Gereiztheit, depressive Verstimmungen … zum Teil sogar Halluzinationen und psychotische Zustände. Unabhängig von der Dauer des Konsums – also auch schon beim ersten Mal (!) – kann es beim Benutzen von bereits verwendeten Spritzen und Spritzenbesteck zur Übertragung von chronischen Infektionskrankheiten wie Hepatitis oder HIV kommen.

Rauschgifttote (Anzahl Personen) im Ostalbkreis

opiate3

Methadon/Polamidon

Methadon ist ein so genanntes Substitutionsmittel (Ersatzstoff), das bei bestehender Opiatabhängigkeit vom Arzt verschrieben werden kann. Methadon ist ein Opioid, es wird in der Regel als Saft bzw. seltener als Tablette eingenommen, blockiert im Gehirn Opiatrezeptoren und verhindert damit die schmerzhaften Entzugserscheinungen, unter denen Opiatabhängige leiden, wenn sie Heroin nicht regelmäßig konsumieren. Substitutionsmittel führen jedoch zu keinem „Kick“ und setzen nur eine geringe euphorische Wirkung frei. „Wie in Watte gepackt“ ist eine Beschreibung, die wir von Usern immer wieder hören. Daher ist der Beikonsum (vor allem Alkohol und „Flunis“) auch stark unter Substituierten ausgeprägt.

1942 wurde Methadon von der Firma Hoechst nach jahrzehntelanger Forschung als Schmerzmittel auf den Markt gebracht. Das neue Medikament, das oral eingenommen werden konnte und nicht gespritzt werden musste, wurde unter dem Namen Dolophin verkauft (wahrscheinlich abgeleitet von den lateinischen Begriffen dolor = Schmerz und finis = Ende). Erst nach dem 2. Weltkrieg gelangte es unter dem Namen „Methadon“ auf den amerikanischen Markt. Zur gleichen Zeit wurde Hoechst das internationale Patentrecht entzogen. 1949 kam der Wirkstoff unter dem Handelsnamen „Polamidon“ wieder nach Deutschland. Ende der 50er Jahre entwickelte die deutsche Herstellerfirma das heute bekannte L-Polamidon.

Methadon ist – wie oben beschrieben – ein künstlich hergestelltes Opioid. Es gibt zwei Formen dieser Substanz. Die linksdrehende und hoch wirksame Variante wird als l-Methadon bezeichnet, der Produktname hierfür lautet: Polamidon®. Die rechtsdrehende Variante (d-Methadon) ist dagegen kaum wirksam. Das, was wir üblicherweise unter Methadon verstehen, ist eine Mischung (d/l-Methadon) und wird auch Racemat genannt.

Polamidon®, oft auch als „Edel-Metha“ bezeichnet, wird im internationalen Vergleich hauptsächlich in Deutschland verschrieben.
Genauere Informationen über den Wirkmechanismus kannst Du unserer Substitutionsfibel entnehmen.

Subutex® (Wirkstoff Buprenorphin)
In Frankreich wird seit Mitte/Ende der 90er Jahre fast ausschließlich mit Subutex® (Wirkstoff: Buprenorphin) substituiert. Unter dem Handelsnamen Temgesic® ist der Wirkstoff schon seit längerer Zeit in der Schmerzbehandlung bekannt.

Als Substitutionsmittel wurde der Wirkstoff in Deutschland Anfang 2000 zugelassen, natürlich in einer wesentlich höheren Konzentration. So entspricht die Wirkung einer 8mg Tablette Subutex® ca. 40 Tabletten des Schmerzmittels Temgesic®.

Die Substitutionsmittel im Überblick:

Ersatzstoff Methadon (Racemat) Polamidon (Levomethadon- chlorid) Subutex (Buprenorphin)
Wirkeintritt Nach ca. 30 Minuten Nach ca. 30 Minuten Bei Ersteinnahme nach ca. 2- 4 Stunden
Wirkungsdauer Bis ca. 24 Stunden Bis ca. 36 Stunden Je nach Dosierung bis zu 3 Tage
Einnahme Täglich, oral, meist mit Sirup vermischt Täglich, oral In der Einstellungsphase: Tägliche Einnahme, später alle 2 bis 3 Tage möglich. Einnahme als Tablette, muss unter der Zunge aufgelöst werden.

Über 70 000 Substitutionsbehandlungen von opiatabhängigen Menschen sind durch die Bundesopiumstelle von Juli 2002 bis Juli 2003 erfasst worden. Bei den verschriebenen Ersatzstoffen stand Methadon mit 72% ganz oben, in 16,5% wurde Polamidon, in 9,4% der Fälle Subutex verschrieben.

Wenn Du mehr über Substitutionsmittel, ihre Vor- und Nachteile wissen möchtest, empfehlen wir Dir einen Blick in unsere Substitutionsfibel.

Quellen:
DHS: „Jahrbuch Sucht 2002“, Geesthacht 2001.
Gellert, Rüdiger u. Schneider, Gundel: „Substitution und Heroin“, Freiburg im Breisgau 2002.
Heudtlass, Jan-Henrik u. Stöver, Heino (Hrsg.): „Risiko mindern beim Drogengebrauch“, Frankfurt am Main 2000.
Hurrelmann Klaus u. Bründel Heidrun: ,,Drogengebrauch – Drogenmissbrauch“, Darmstadt 1997.
Kruse, G., Behrendt K. u.a.: ,,Fix(en) und fertig“, Bonn 1996.
Parnefjord, Ralph: ,,Das Drogentaschenbuch“, Stuttgart 2000.
Rudgley, Richard: ,,Lexikon der psychoaktiven Substanzen“, München 1999.
Schmidtbauer, Wolfgang u. vom Scheidt, Jürgen: „Handbuch der Rauschdrogen“, München 1997.
Seefelder, Matthias: „Opium. Eine Kulturgeschichte“, Landsberg 1996.
Thamm, Berndt Georg: ,,Stichwort Drogen“,München 1994
Ferner u.a. folgende Internetquellen:
www.dgsuchtmedizin.de, www.checkyourdrugs.at, www.dhs.de, www.thema-drogen.net,
www.indro-online.de, www.drugcom.de, www.methadone.org, www.drogen-info.de

R., 30 Jahre

Ich finde es ziemlich abartig, wie sehr man uns bevormundend. Kaum bekommt irgendjemand mit, dass du Drogen nimmst, schon wirst du in eine Schublade gesteckt, die keiner mehr anfassen möchte. Man wird behandelt, als sei man krank, selbstmordgefährdet, total depressiv, kriminell und nicht ganz richtig im Kopf. Ich bin jetzt 30, nehme – so lange ich denken kann- die unterschiedlichsten Drogen zu mir. Ich habe nie eine Überdosis gehabt und auch noch nie einen Spritzenabszess. Ich jedenfalls behaupte, dass ich mit Drogen umgehen kann und trotzdem mein Leben im Griff habe. Drogengebrauch endet doch nicht automatisch in Drogenmißbrauch. Drogen – das ist doch das, was man daraus macht. Der eine nutzt ein Messer zum Brotschneiden, der andere setzt es als Waffe ein. Deswegen gleich alle Messer verbieten??? Ich finde, die Gesellschaft sollte uns nicht vorschreiben, wie wir unser Leben zu führen haben. Es wird nie eine drogenfreie Gesellschaft geben. Ob Alkohol, Cannabis oder auch Heroin, ich finde, jeder sollte selbst darüber bestimmen. Aber gerade bei den harten Drogen wählt man einen harten Weg. Kriminalisierung, Entstehung von Schwarzmärkten, steigende Preise, neue Abhängigkeiten. Die Liste ist lang. Aber was nutzt sie? Auch die Substitution ist doch eher ein fauler Kompromiss. Wenn ich mich auf dem Jo-Platz so herumschaue, dann sehe ich keine Drogenabhängigen mehr, sondern Alkoholkranke, die substituiert werden. Außerdem kommt durch die Substitution wieder ein geballtes Regelwerk auf dich zu. Ärzte, die an Deiner Abhängigkeit verdienen. Der tägliche Gang zur Praxis. du darfst keinen Beikonsum haben, mußt angepasst sein, mußt Deine Drogenberatung regelmäßig aufsuchen. KOSA, dem Begleitungsmodell der Sozialberatung stehe ich deswegen auch skeptisch gegenüber. Ich will nicht bevormundet werden. Ich jedenfalls sehe bei mir keinen Beratungsbedarf und mit meinem Beikonsum habe ich keine Probleme. Höchstens mein substituierender Arzt …

Risk Reduction: Biodrogen

Ein risikofreier Gebrauch von halluzinogen Drogen wie Mescalin, Psilocybin und auch LSD ist niemals möglich. Wir raten Dir von dem Konsum halluzinogener Substanzen dringend ab. Solltest du aber trotz dem hohen Risiko in sozialer, physischer und psychischer Hinsicht, halluzinogene Substanzen konsumieren, gibt es einige Regeln, die Du beachten solltest. Wir verstehen diese Regeln nicht als Aufforderung zum Konsum, sondern wollen, dass Du länger lebst.

– Wenn Du vor dem Konsum bereits Angst vor möglichen Wirkungen hast, Unsicherheiten verspürst oder einfach nur schlecht drauf bist, solltest du auf den Konsum verzichten.

– Wenn möglich, solltest Du die Droge nur dann nehmen, wenn Du Dich in angenehmer Atmosphäre befindest und Freunde an Deiner Seite hast, denen es notfalls möglich ist, Dich zu beruhigen und Dir zu helfen, den „bad trip“ zu blocken.

– Gute Vorbereitung, gute Nachbereitung ist wichtig! Nimm Dir Zeit über Deine Erwartungen und auch über Deine Erfahrungen mit Dir vertrauten Personen zu sprechen.

– Ist die gewünschte Wirkung nach 30-60 Minuten noch nicht eingetreten, keine Panik. Und vor allem: Nicht „nachlegen“. Wirkungsverzögerungen sind gerade bei vollem Magen keine Seltenheit.

– Psychedelische Erfahrungen sollten „Ereignisse“, keine Zustände werden. Plan genügend Zeit ein. Körper und Geist benötigen Erholung. Wer sich auf´s Meer hinaus wagt, sollte wissen, wo sein Heimathafen ist.

– Der Wirkstoffgehalt der Biodrogen schwankt. Nimm daher vorerst sehr geringe Mengen.

– Frische (nicht getrocknete) Pilze sollten nicht länger als 2 bis 3 Tage im Kühlschrank gelagert werden, da sich Pilzeiweiß bald zu Toxinen zersetzt und alte Pilze auch ein bevorzugtes Substrat für Schimmelpilze darstellen, die wiederum krebserzeugende Aflatoxine bilden.

– Bewahre sicherheitshalber etwas von der konsumierten Substanz auf. Dies ist z.B. bei Pilzen sehr hilfreich, da man Dir im Falle einer Verwechslung oder bei Überdosierungen besser helfen kann.

– Insbesondere Atropin-, Scopolamin- und Hyoscamin-haltige Biodrogen (z.B. Engelstrompete) sind hochgiftig und unberechenbar. Finger weg.

– Auf keinen Fall: Mischkonsum. Körper und Geist werden es Dir nicht danken.

– „Trips“ können sehr lange andauern, sorge für leichte Speisen, Traubenzucker, Säfte,

…Diese Regeln versprechen keine Sicherheit! Sichere Trips gibt es nicht. Insbesondere für Biodrogen gilt: Der Grat zwischen psychoaktiver und lebensgefährlicher Wirkung ist schmal.

Was bei einem „bad trip“ zu tun ist:

Ursachen: Angst- und Panikzustände können durch Konsum von LSD, Pilzen, Meskalin oder in seltenen Fällen auch durch THC ausgelöst werden.

Anzeichen: Paranoide Wahrnehmungsstörungen, Panikreaktionen, Selbstgefährdungen

Was tun? Den Betroffenen – wenn möglich – in ruhige, vertraute Umgebung bringen. Lärm, viele Menschen und grelles Licht vermeiden. Körperkontakt halten und nicht hektisch auf Person einquatschen, beruhigend wirken:
„ Ich bin bei Dir“, „Das ist nur die Droge, die Wirkung wird bald vorbei sein“…
Zuckerhaltige Getränke verabreichen. Falls Zustand sich nicht ändert und massive Gefährdung vorliegt, medizinische Hilfe holen!

Notruf

WIE? Den Rettungswagen alarmierst Du unter der Nummer: 19222. Ruhig bleiben, keine Panik, nicht zu schnell, dafür deutlich sprechen. Reicht das Guthaben auf Deinem Handy nicht aus, bleibt Dir die Notrufnummer: 112.

WAS? Was hat die Person? Wir empfehlen Dir bei Überdosen generell „Person mit Atemstillstand“ zu melden.

WO? Strasse und Hausnummer angeben.
Ist das Haus schwer zu finden (z.B. Hinterhof), schicke jemand raus, damit er von der Straße den Rettungswagen reinwinken kann.
Empfehlenswert (u.a.):
• Jan-Henrik Heudtlass und Heino Stöver (Hrsg.): „Risiko mindern beim Drogengebrauch“, Frankfurt am Main 2000.
• Rudgley, Richard: „Lexikon der psychoaktiven Substanzen“, München 1999

Risk Reduction: Designerdrogen

Wir raten Dir davon ab, Ecstasy und andere Drogen zu konsumieren. Gerade bei den Designerdrogen ist große Vorsicht geboten, da man nie sicher sein kann, was in der „Pille“ überhaupt drin ist. Da reicht es auch nicht, Tabletten nach Äußerlichkeiten (Form/Farbe) zu vergleichen oder auf Logos zu vertrauen. Wenn Du trotz gesundheitlicher, sozialer und strafrechtlicher Risiken Ecstasy konsumierst, solltest Du folgende Punkte bedenken:

– Es kann 1 bis 2 Stunden dauern bis die Wirkung von Ecstasy eintritt, deshalb sollten unter keinen Umständen weitere Pillen genommen werden.

– Wer Ecstasy nimmt, muss unbedingt genügend trinken, sonst kann es zu lebensgefährlichen Austrocknungen kommen ( keine alkoholischen Getränke oder Kaffe, aber auch nicht mehr als 0,5 Liter pro Stunde).

– Achte darauf, dass Du Dich und Deinen Körper nicht zu sehr beanspruchst (z.B. beim Tanzen auf „E“).

– Ecstasy sollte nicht direkt nach dem Essen genommen werden. Da es die Magenschleimhaut angreift, sind leicht, gut verdauliche Speisen einige Stunden vorher jedoch sinnvoll.

– Medikamente und psychoaktive Substanzen sollten immer nach dem Körpergewicht dosiert werden. Leichte Menschen vertragen weniger! Es gilt die Faustregel: 1 bis 1,5 mg Ecstasy pro Kilo Körpergewicht. Das heisst, wenn Du 50 Kilo wiegst, solltest Du nicht mehr als 75mg zu Dir nehmen.

– Regelmäßiger Konsum, z.B. jedes Wochenende, wirkt sich negativ auf Deine Gehirnleistung aus. Gönn´ Dir, Deinem Hirn und Deinem Körper lange Pausen!
Keine Droge – kein Risiko!

Wir verstehen diese Hinweise nicht als Aufforderung zum Konsum, sondern wollen, dass Du länger lebst!

Konsumiere nie …
– bei Herzproblemen, Blutarmut, Bluthochdruck, Erkrankungen der Schilddrüsen, Leber- oder Nierenschäden, Hepatitis, Diabetes und Epilepsie, hier ist der Konsum von Ecstasy besonders gefährlich und sollte dringend unterlassen werden.

– in der Schwangerschaft – Ecstasy darf wie alle anderen Drogen unter keinen Umständen konsumiert werden, der Konsum kann zu massiven Schädigungen des ungeborenen Kindes führen.

– bei psychischen Erkrankungen und bei der Einnahme von Antidepressiva – sehr junge Menschen sollten von der Einnahme ebenfalls absehen, da ihre geistige Entwicklung dadurch gestört werden könnte.

Mischkonsum
Der gleichzeitige oder kurz aufeinander folgende Konsum unterschiedlicher Substanzen belastet Körper und Geist ungleich stärker. Wir raten Dir dringend von Mischkonsum ab.
Was in einer „Pille“ drin ist, ist sowieso in den wenigsten Fällen bekannt! Mischkonsum ist daher immer ein Spiel mit dem Feuer. Beachte bitte die folgenden Warnhinweise!

– Ecstasy & Alkohol
Alkohol entzieht dem Körper Flüssigkeit, die Gefahr der Austrocknung wird erhöht, außerdem kommt es zur doppelten Belastung von Niere und Leber.

– Ecstasy + Antidepressiva
Wie oben beschrieben, haben auch Antidepressiva einen Einfluss auf den Serotoninhaushalt. Hohe Konzentrationen in Folge des Mischkonsums können Krampfanfälle, epileptische Anfälle, Kollaps und Bewusstseinsstörungen zur Folge haben.

– Ecstasy + Speed
Ebenfalls nicht zu empfehlen: Durch den Mischkonsum von Ecstasy und Speed können die möglichen neurotoxischen Wirkungen von Ecstasy verstärkt werden. Der Flüssigkeitsverlust ist bei einer Kombination dieser Substanzen besonders hoch und negative Verstimmungsphasen können nach der „Hochphase“ lange anhalten.

– Ecstasy + Halluzinogene
Der gleichzeitige Konsum von Designerdrogen und LSD, sowie anderen Halluzinogenen, verstärkt die schädliche Wirkung von Ecstasy auf das serotonerge System im Gehirn. Längerfristig könnte eine Kombination dieser Substanzen daher zu depressiven Verstimmungen und zu Verschlechterungen beim Einprägen und Erinnern von Gedanken führen.

– Ecstasy + Koffein
Koffein (Kaffee, Energydrinks) verstärkt kurzfristig den aufputschenden Ecstasy-Effekt, die Kombination führt jedoch auch zu einer raschen „Auspowerung“. Die Gefahr von plötzlichen Schwindelanfällen und Herz-, Kreislaufbeschwerden steigt.

– Ecstasy + Cannabis
Beim „Runterrauchen“ mit Cannabis kann es zu einem Wiedereinsetzen der Ecstasy-Wirkungen, zu großen Ängsten, Halluzinationen und Panik kommen. Außerdem: Man vermutet, daß Cannabis sich negativ auf das Kurzzeitgedächtnis auswirkt, „E“ dagegen das Langzeitgedächtnis angreift – die Frage also ist: Welches Gedächtnisteil bleibt Dir?

rund um die Substitution – Die Substitutionsfibel

Kaum eine „Droge“ hat in den letzten Jahren die Drogenszene so nachhaltig verändern können, wie es die Substitutionsmittel vermochten. Dabei herrscht hinsichtlich dieser Ersatzstoffe vielerorts noch eine Menge an Unklarheit.

  1. Sind Substitutionsmittel Drogen oder Medikamente?
  2. Machen sie abhängig?
  3. Wie ist es mit Beikonsum?
  4. Kann ich als Substituierter meinen Führerschein behalten?
  5. Welche neuen Verpflichtungen gehen Substituierte ein?

Fragen, auf die wir in der von uns erstellten „Substitutionsfibel für den Ostalbkreis“ Antwort geben möchten.

Was bietet Dir die Fibel?

Unser Anliegen ist es, Dir (und allen Interessierten) einen ersten Einblick in das weite Feld der Substitution zu bieten.

Ersatzstoffe sind keine Allheilmittel, aber sehr wohl Chancen, die es Dir ermöglichen können, Dein Leben jenseits von Beschaffungsdruck, Gesundheits-gefährdung und Kriminalisierung…neu zu gestalten. Dass dazu in vielen Fällen mehr nötig ist, als ein Austausch von Droge in Ersatzstoff, dürfte Dir klar sein. Nicht jedes Problem, welches durch Deine Drogensucht entstanden ist, lässt sich mit einem Substitutionsmittel lösen…

Uns geht es in erster Linie um eine neutrale Aufklärung, bei der wir sowohl auf die Vorteile, aber auch auf die Nachteile der Substitution eingehen. Darüber hinaus möchten wir Dir unser Angebot der psychosozialen Begleitung im Rahmen der Substitution vorstellen. Abgerundet wird diese Fibel durch die „Innenansichten“.

Neben dem Wissen, das wir aus unserer Arbeit mit Substituierten und unseren Büchern beziehen, war es uns wichtig, auch diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die tagtäglich Erfahrungen mit den Ersatzstoffen machen: die User.

Entstanden ist ein buntes Kaleidoskop von Eindrücken, Erfahrungen und Meinungen. Es sollte Dir deutlich machen, dass letztlich es Du selbst bist, der seinen eigenen Weg finden und gehen muss.

Die Themen im Einzelnen:

  • Was bedeutet Substitution??? Seite 4
  • Was sind Opioide? Was sind Opiate? Wie wirken sie? Seite 4
  • Die „Muttersubstanz“ Heroin Seite 4
  • Neue Wege… Seite 5
  • Methadon/Polamidon Seite 6
  • Subutex® Seite 8
  • Substitution im Ostalbkreis Seite 10
  • Beikonsum Seite 11
  • Beikonsum: Pillen Seite 12
  • Beikonsum: Heroin Seite 14
  • Beikonsum: Alkohol Seite 14
  • Beikonsum: THC- „Cannabis denn Sünde sein?“ Seite 15
  • Beikonsum: Kokain Seite 16
  • Was tun bei einem Rückfall? Seite 17
  • Unser Angebot der psychosozialen Begleitung: Das „KOSA-Modell“ Seite 18
  • Keine Angst
    …vor Schlafstörungen Seite 21
    …vor Sex Seite 21
    …vor dem Freizeitloch Seite 22
    …vor dem Zahnarzt + anderen wichtigen Behandlungen Seite 23
    …vor Lob und Tadel Seite 23
    …vor dem Schuldenberg Seite 23
    …vor Arbeit Seite 24
    …vor Urlaub Seite 25
    …vor der eigenen Küche Seite 26
    …vor Klatsch und Tratsch Seite 26
    …vor dem Führerschein Seite 27
    …vor Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder Seite 27
    …bei Drogennotfällen Seite 29
    …HIV und Hepatitis Seite 32
  • Kontaktadressen im Ostalbkreis Seite 33
  • Angebote für substituierte Mitbürger Seite 34
  • Innenansichten: Meinungen der User Seite 35
  • Entscheidungshilfe? Seite 42
  • Literatur & Dank Seite 43

Falls Du Interesse hast, kannst Du die Broschüre gerne als PDF-Datei herunterladen:
Substitutionsfibel.pdf

Bemerkung:

Die Fibel wendet sich natürlich auch an Interessierte, Angehörige und alle, die mit Substitution in irgendeiner Weise zu tun haben. Sie kann gerne auch postalisch angefordert werden. Entweder über uns oder auch über Herrn Berthold Weiß dem Suchthilfekoordinator des Landratsamtes Ostalbkreis, der uns bei der Erstellung dieser Fibel sehr unterstützt hat.

Schwangerschaft- und Sucht-Infos – S.U.S.I

Eine Schwangerschaft, erwünscht oder unerwünscht, kommt für viele Frauen überraschend und wirft eine Menge Fragen auf. Spielen in Deinem Leben Drogen eine wichtige Rolle, wird der gesundheitliche Schutz für Dich und Dein Kind besonders wichtig. Wir haben ein paar Fakten zusammengestellt, die Dir helfen sollen, Orientierung zu bekommen und mögliche Stolpersteine frühzeitig zu erkennen. Was erwartet Dich? Was erwartet Dein Kind? Worauf solltest Du achten? Richtung und Ziel sollten sein: Dass es Dir und Deinem Kind gut geht – und Du in der Lage bist, für Dich und Dein Kind zu sorgen

Aus dem Inhalt von SUSI (Auszug):

 

  • Schwanger und Drogen???
  • Was heißt Schwangerschaftsvorsorge?
  • Wie lassen sich Risikofaktoren verringern?
  • Schaden Substitutionsmittel meinem Kind?
  • Muss ich Angst vor dem Jugendamt haben?
  • Hilfemöglichkeiten im Ostalbkreis
Wir haben diese Broschüre in Zusammenarbeit mit der Sozialpädagogischen Familienhilfe Schwäbisch Gmünd, dem Suchthilfekoordinator Berthold Weiss und einigen anderen Einrichtungen im Ostalbkreis erstellt. Vielen Dank für die Unterstützung!
Die Broschüre als PDF-Datei zum download

Speed

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Geschichte

Bis in die 70er Jahre waren Metamphetamin und Amphetamin als Appetitzügler (z.B. unter dem Markennamen „Benzedrin“) in Apotheken erhältlich. Überhaupt galten die beiden Substanzen, 1887 erstmals hergestellt, lange Zeit als medizinisches Allheilmittel. Es wurde als Schnupfenmittel, zur Behandlung von psychischen Erkrankungen, im II. Weltkrieg zur Leistungssteigerung der Soldaten eingesetzt und im Sportbereich als Dopingmittel verwendet. Auch der so genannten „Normalbevölkerung“ schien es lange Zeit völlig normal, Amphethamine als Stimmungsaufheller oder als „Weckamine“ zu benutzen.

Als in den sechziger und siebziger Jahren das Suchtpotenzial und die gefährlichen Nebenwirkungen mehr und mehr zu Tage kamen und die Substanzen als nicht verkehrsfähig eingestuft wurden, entstand ein blühender Schwarzmarkt. Und damit zusammenhängend eine Vielzahl illegaler Labore, die bis heute einen relativ hohen Nachfragemarkt decken (siehe dazu auch Stichwort: Ecstasy).

„Speed“ ist ein guter Beweis dafür, wie schmal der Grat zwischen „Medikament“ und „illegaler Droge“ ist. Die Beurteilung hängt selten allein von der Gefährlichkeit einer Substanz ab, vielmehr scheint es eben auch eine Frage der Ökonomie, der Politik und des Zeitgeistes zu sein, was als „gefährlich“ und als „Droge“ eingestuft wird. Man be-denke, dass Kaffe noch im 17. Jh. in unseren Breiten-graden als Rauschmittel verboten war. Und auch der Konsum von Tabak wurde als Sünde geahndet. Dagegen pries der Psychoanalytiker Sigmund Freud Kokain als Wundermittel an und Heroin wurde als Husten- und Schmerzmittel eingesetzt, weil es angeblich gar nicht süchtig machen konnte. LSD und „Ecstasy“ fanden in der Behandlung psychischer Erkrankungen ihren Einsatz. Und was heutige „Wundermittel“ angeht … wer weiß, ob sie nicht morgen schon verboten werden …

Was die Substanz Amphetamin bzw. Methamphetamin jedenfalls betrifft, wurde ihr Missbrauchspotential und ihre gefährlichen Nebenwirkungen viel zu lange übersehen und unter dem Deckmantel eines „Arzneimittels“ verharmlost. Prominente Speed-Konsumenten waren vermutlich Adolf Hitler, Elvis Presley, J.F. Kennedy und John Belushi von den Blues Brothers, der am Ende an Mischkonsum (Alkohol + Speed) auch starb.

Wie wirkt Speed als Rauschdroge?

Amphetamine bzw. Methamphetamine werden über die Schleimhäute aufgenommen und gelangen auf diesem Weg ins Gehirn. Dort bewirken sie die Freisetzung der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin. Somit wird der Energieumsatz des gesamten Körpers erhöht. Der Körper braucht nach dem Konsum einige Tage, um das Gleichgewicht der Botenstoffe wieder herzustellen.
Speed – ein weißes oder rosa kristallines Pulver – enthält, wie oben ausgeführt, Amphetamin oder Methamphetamin und wird in Tabletten bzw. Kapseln angeboten. Methamphetamin zeigt ähnliche Wirkungsmuster wie Amphetamin, allerdings fallen diese länger und stärker aus (bis zu 70 Stunden!!!). Präparate auf reiner Methamphetamin-Basis werden als „Yaba“ oder auch als „Crystal-Speed“ bezeichnet.
Speed wird geschnupft oder oral eingenommen, viel seltener auch geraucht oder injiziert. Die kristalline, rauchbare Form von Methamphetamin nennt man „Ice“, „Shabu“ „Glass“ oder auch „Crystal“, es verhält sich zu seinem Ausgangsstoff in etwa so wie Crack zu Kokain. Das heißt, es wirkt schnell und macht schnell abhängig! Üblicherweise wird Speed wie alle Designerdrogen vor dem Verkauf auf Schwarzmarkt mit anderen Substanzen und Streckmitteln vermengt. Darin liegt eine weitere, keine unbedeutende Gefahr! (Siehe dazu auch Stichwort: „Ecstasy“)

Mögliche Wirkung:

Die Wirkung bei dem Konsum von Speed tritt nach etwa 30 Minuten ein, der Konsument fühlt sich meist wach und leistungsfähig. Aber es kann auch zu anderen psychischen Wirkungen kommen:

  • Steigerung der Konzentrationsfähigkeit
  • Rededrang
  • Enthemmung
  • Spannungslösung
  • Angstzustände
  • Antriebssteigerung
  • Erhöhte Reizbarkeit
  • Mehr Selbstsicherheit

Auch auf den Organismus kann sich der Konsum von Speed auf unterschiedliche Weise auswirken. Es kann zu folgenden Wirkungen kommen:

  • Hunger und Durst werden unterdrückt
  • Schlafstörungen
  • Die Körpertemperatur erhöht sich, Fieber, Schweißausbrüche
  • Kreislaufprobleme
  • Magenprobleme
  • Verletzungen der Nasenschleimhaut oder Nasenbluten (durch „Sniefen““)
  • Hoher Flüssigkeitsverlust

 

Die Zeit nach dem Rausch ist meist durch Leere, Niedergeschlagenheit und totale Erschöpfung gekennzeichnet.
Bei längerem und massivem Konsum von Speed werden die unerwünschten Nebeneffekte schlimmer: Magenprobleme, Hautunreinheiten, Hautalterungen, massive Schlafstörungen, Schädigung der Blutgefäße, Zahnausfall, Veränderung des Menstruationszyklus, …

Die Suchtspirale öffnet sich, das heißt, man sieht sich gezwungen, immer mehr zu nehmen, um einen Gefühlszustand zu erreichen, der sich immer seltener einstellt. Einmal in der Spirale gefangen, kann es zu starken Depressionen oder paranoiden Zuständen kommen. Konsumenten berichteten über unterschiedlichste Halluzinationen, die zum Teil wahnhaft verarbeitet wurden (Amphetamin-Psychose).

Neue wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass der Konsum von Methamphetamin – ähnlich wie der Konsum von Ecstasy – zu Veränderungen oder Schädigungen im Gehirn führen kann, die noch nach Jahren festzustellen sind. Übrigens: Es mag zwar stimmen, dass man durch Speed Gewicht verlieren kann, doch das gilt nur für eine kurze Zeit. Auch hier reagiert Dein Körper mit Toleranz!

Folgende Internetquellen können dazu eingesehen werden:
www.dgsuchtmedizin.de, www.checkyourdrugs.at, www.dhs.de, www.thema-drogen.net,
www.indro-online.de, www.drugcom.de, www.methadone.org, www.drogen-info.de

Your answer goes here…

Tobias, 26 Jahre

Ich begann schon früh, mit Drogen unterschiedlichster Art herum zu experimentieren. Hab schon als Schüler Dope vercheckt, keiner hat was davon gemerkt, und ich hatte eine gute Einnahmequelle.
Die erste Zeit war richtig geil. Als ich anfing, mehr harte Drogen zu nehmen, wurde aus dem anfänglichen Spaß schnell Ernst. Ich musste die Schule abbrechen, verlor Freunde und auch das Vertrauen vieler, die mir sehr nahe standen. Meine Eltern hielten aber immer zu mir. Es kam zu zahlreichen Entgiftungsversuchen. Auch zwei Therapien. Doch ich wurde immer wieder rückfällig. Ich erinnere mich noch genau, an eine Episode in Südamerika. Meine Eltern schickten mich zu meinem Bruder, der dort arbeitete. Ich sollte weg. Weg von der Szene. Weg von den alten Erinnerungen und den ganzen Verführungen. Aber ich war damals noch nicht so weit, hatte immer noch Drogen im Kopf, nahm den Suchtdruck also mit. So stahl ich mich bei meinem Bruder aus dem Haus und fand mich nach mehreren Tagen mitten in Bogotá in einem Slum herumliegen, total voller Koks, verdreckt, völlig desorientiert und ausgelaugt. Nur mit Glück fand ich den Weg zurück. Es ist unglaublich, welche Risiken man eingeht, wenn man drauf ist. Dir wird alles egal. Du denkst nur an den Stoff. Nicht an Dein Leben. Nicht an Deine Zukunft. Inzwischen habe ich es geschafft, mich einigermaßen zu stabilisieren. Zwei Dinge sind mir klar geworden: Egal, wie gut die Therapie ist, egal, wie oft du Deine Beratungsstelle aufsuchst, egal, wie eng Deine Familie zu dir steht, man schafft es nur dann von den Drogen weg zu kommen, wenn man es selbst möchte. Wenn man selbst so weit ist. Und zweitens, ich weiß einfach, dass es für mich einen kontrollierten Konsum einfach nicht geben wird. Für mich gibt es nur ein Entweder/Oder. Mit einem „Dazwischen“ habe ich mir schon zu lange was vorgemacht….

HINWEIS an alle Interessierte:

Wer mehr Innenansichten speziell zur Substitution lesen möchte, sollte einen Blick in unsere Substitutionsfibel werfen. Ihr könnt sie unter „EXTRAS“ (Infos rund um die Substitution) aufrufen und als PDF-Datei herunterladen. „Innenansichten aus der Rechbergstraße“ gibt es unter Angebotsspektrum/ Wohnprojekt Rechbergstraße. Hier berichten junge Menschen über ihren Weg aus der Straffälligkeit.
Wer sich durch die SUCHTWELTEN/INNENANSICHTEN motiviert sieht, ebenfalls etwas über sich zu schreiben, kann uns gerne (auch anonym) kontaktieren. Wir freuen uns über jede Stellungnahme, die dazu beiträgt, einseitige und stereotype Meinungen zum Thema „Drogen und Sucht“ oder auch „Straffälligkeit“ zu überdenken.
Die Sozialberatung Schwäbisch Gmünd e.V. bedankt sich bei allen Usern, Substituierten, Ex-Usern, Angehörigen und BewohnerInnen der Rechbergstraße für den Mut und die Bereitschaft, ihre Gedanken und Gefühle auf diese Weise anderen mitzuteilen.